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24mm vs. 28mm: Welches Weitwinkel eignet sich besser für Umweltporträts?

von Jens Bols 0 Kommentare
24mm vs. 28mm: Which Wide-Angle is Better for Environmental Portraits? - OldCamsByJens

Wenn man lange genug in Fotografie-Foren unterwegs ist, stößt man früher oder später auf die klassische Weitwinkel-Debatte. Meist passiert das genau in dem Moment, in dem man mehr Geschichte mit seinen Porträts erzählen möchte, anstatt nur den Hintergrund mit einem 85mm-Objektiv unscharf zu machen. Man beginnt, nach etwas weiterem zu suchen. Wahrscheinlich schaut man sich ein 24mm und ein 28mm an, sieht, dass sie nur vier Millimeter auseinanderliegen, und denkt: „Wie unterschiedlich können die denn wirklich sein?“

Die kurze Antwort lautet: enorm unterschiedlich. Wenn man am weiten Ende des Spektrums fotografiert, verändert jeder einzelne Millimeter die Art und Weise, wie das Objektiv Raum, Entfernung und menschliche Gesichter darstellt.

Als jemand, der viel Zeit damit verbringt, ältere Filmkameras in enge Musikstudios und winzige Werkstätten zu schleppen, um Freunde zu porträtieren, habe ich mich mit beiden Brennweiten auseinandergesetzt. Beide sind großartig für Umweltporträts, erfordern aber völlig unterschiedliche Herangehensweisen. Lassen Sie uns anschauen, wie sich das 24mm und das 28mm schlagen und welches vielleicht wirklich in Ihre Kameratasche gehört.

Die Magie des Umweltporträts

Bevor wir einen Favoriten wählen, müssen wir klären, was ein Umweltporträt eigentlich ist. Bei einem klassischen Headshot ist die Person die ganze Geschichte. Man verwendet ein enges Objektiv, öffnet die Blende und lässt den Hintergrund in cremiger Unschärfe verschwinden. Der Betrachter schaut direkt in die Augen des Motivs, und die Interaktion endet dort.

Ein Umweltporträt ist ein Duett zwischen der Person und dem Ort, an dem sie sich befindet. Der überladene, unordentliche Schreibtisch eines Illustrators, die fettverschmierten Werkzeuge an der Wand hinter einem Mechaniker oder die hoch aufragenden Kiefern um einen Camper sind genauso wichtig wie das Gesicht des Motivs. Die Umgebung gibt Kontext. Sie erzählt, wer diese Person ist und was sie tut. Um all diese erzählerischen Details einzufangen, muss man einen Schritt zurücktreten, die Blende schließen, um mehr Schärfentiefe zu erhalten, und ein weiteres Objektiv verwenden.

Hier wird es knifflig. Man möchte den Raum zeigen, aber das menschliche Motiv soll nicht wie eine verzerrte Spiegelung aussehen. Genau dieses Gleichgewicht macht die leidenschaftliche Debatte um 24mm vs. 28mm aus.

Das 28mm: Der natürliche Dokumentarist

Beginnen wir mit dem 28mm. Jahrzehntelang war es der absolute Goldstandard für Fotojournalisten und Dokumentarfotografen. Tragen Sie einen Tag lang ein Vintage- 28mm-Objektiv mit manuellem Fokus an Ihrer Kamera, und Sie werden sofort verstehen, warum es so beliebt ist.

Ein 28mm-Objektiv bietet ein Sichtfeld, das sich für das menschliche Auge sehr natürlich anfühlt. Es ist zweifellos ein Weitwinkel, das viel Hintergrunddetail einfängt und eine klare Szene setzt. Aber die Magie des 28mm liegt in seiner Zurückhaltung. Es ist weit genug, um in einem relativ engen Raum wie einem kleinen Wohnzimmer oder einem Café zu fotografieren, ohne dass man den Rücken komplett an die Wand pressen muss.

Wichtiger noch: Die Verzerrung ist gut beherrschbar. Wenn man eine Person mit einem 28mm-Objektiv fotografiert und sie relativ nah an der Bildmitte hält, bleiben die Proportionen erhalten. Der gefürchtete „Riesennasen“-Effekt tritt nicht auf, es sei denn, man drückt das Objektiv direkt an das Gesicht.

Warum ich das 28mm für Porträts liebe:

  • Ehrlichkeit: Es zeichnet einen Raum ungefähr so auf, wie man ihn in Erinnerung hat. Es wirkt objektiv und wahrheitsgetreu.
  • Sicherheit: Man kann das Motiv leicht nach dem Drittel-Regel-Prinzip aus der Mitte setzen, ohne Angst zu haben, dass Schulter oder Kopf verzerrt werden.
  • Einfachheit: Da die Perspektive nicht übertrieben ist, ist es ein sehr verzeihendes Objektiv, wenn man neu im Weitwinkelbereich ist.

Wenn der Hintergrund als höflicher, aber interessanter Nebendarsteller für Ihr Motiv dienen soll, ist das 28mm meist die klügere Wahl.

Das 24mm: Der dramatische Geschichtenerzähler

Nun gehen wir nur vier Millimeter weiter auf 24mm. Das klingt nicht nach einem großen Sprung, aber der Wechsel von 28 auf 24 bedeutet eine enorme Erweiterung des Blickwinkels. Wenn das 28mm ein ruhiger Beobachter ist, ist das 24mm ein lauter, chaotischer Partygänger, der Sie zum Mitmachen zwingt.

Ein 24mm-Objektiv erzeugt echte perspektivische Verzerrung, die den Hintergrund zurückdrängt und die Vordergrundelemente viel größer erscheinen lässt. Um eine Person ungefähr gleich groß im Bild zu haben wie mit einem 28mm, muss man mit dem 24mm physisch näher an sie herantreten. Diese Nähe verändert das gesamte psychologische Gefühl des Fotos. Bei einem Porträt mit 24mm hat man das Gefühl, direkt im persönlichen Raum des Motivs zu stehen.

Da das Objektiv so viel seitlichen Raum einfängt, wird die Umgebung überwältigend. Linien beginnen sich stark zu konvergieren. Wenn man die Kamera auch nur leicht nach oben oder unten neigt, biegen und neigen sich die Wände dramatisch. Bei vorsichtiger Anwendung entsteht so ein unglaublich dynamisches, energiegeladenes Bild, das ein 28mm einfach nicht nachahmen kann.

Worauf man beim 24mm achten sollte:

  • Randverzerrung: Wenn man das Motiv nahe am Bildrand platziert, wirkt es verzerrt. Ein Arm kann unnatürlich lang erscheinen oder das Gesicht breiter. Das Motiv sollte fast immer in der Bildmitte verankert sein.
  • Unordnung: Da es so viel sieht, nimmt es jede herumstehende Kaffeetasse, jeden Mülleimer und störende Lichtstative im Hintergrund auf. Man muss sehr sorgfältig aufräumen.
  • Verunsicherung: Man muss dem Motiv sehr nahe kommen, um den Bildausschnitt zu füllen, was Menschen, die ungern fotografiert werden, nervös machen kann.

Wenn Sie jedoch in extrem engen Räumen fotografieren, wie in der Fahrerkabine eines LKW oder einem schmalen Flur, ist das 24mm vielleicht das einzige Objektiv, mit dem Sie den Shot überhaupt bekommen.

Direkter Vergleich: Welches ist wirklich besser?

Welches gewinnt also im Kampf um Umweltporträts? Wie bei allen Dingen in der Fotografie hängt es vom emotionalen Gefühl ab, das Sie einfangen möchten.

Wenn Sie einen Künstler in seinem Atelier fotografieren und das schöne Chaos aus Farbpaletten zeigen wollen, während der Künstler würdevoll und natürlich aussieht, greife ich jedes Mal zum 28mm. Es respektiert menschliche Gesichter und umschließt dennoch den Raum um das Motiv.

Andererseits, wenn Sie einen Skateboarder in einem leeren Betonbecken oder einen Musiker, der sich über seine Gitarre lehnt, fotografieren und einen groben, mutigen, „direkt ins Gesicht“-Look wollen, ist das 24mm Ihr bester Freund. Die übertriebene Perspektive macht das Bild unglaublich laut und energiegeladen.

Für die meisten, die von einem Standard- 50mm-Objektiv auf etwas Weiteres umsteigen, ist das 28mm der perfekte Zwischenschritt. Es ist vielseitig genug, um es den ganzen Tag bei einem Spaziergang durch die Straßenfotografie oder einer Porträtsession an der Kamera zu lassen. Das 24mm erfordert etwas mehr Absicht und Sorgfalt, um genau richtig zu sein, aber die Belohnung kann atemberaubend sein, wenn die Komposition stimmt.

Ergänzungen für Ihr Equipment

Wenn Sie mit Vintage-Ausrüstung fotografieren, macht es großen Spaß, Weitwinkelobjektive aus der Filmzeit zu finden. Die meisten großen Marken wie Canon, Nikon, Pentax und Olympus haben fantastische manuelle Versionen beider Brennweiten hergestellt. Ich empfehle persönlich gerne, zuerst ein Vintage-28mm auszuprobieren, da diese in der Regel etwas erschwinglicher und leichter zu finden sind als ihre weiteren Verwandten.

Wenn Sie inspiriert sind, weiter zu gehen und beeindruckenden Kontext in Ihren Porträts einzufangen, können Sie eine tolle Auswahl an Vintage-Gläsern durchstöbern. Sehen Sie, was auf Lager ist, und schnappen Sie sich ein zuverlässiges 28mm-Objektiv, um mit klassischen dokumentarischen Blickwinkeln zu experimentieren. Wenn Sie bereit für etwas Mutigeres sind und Ihre Perspektiven an die Grenzen treiben wollen, greifen Sie stattdessen zu einem 24mm-Objektiv. Setzen Sie es auf Ihre Lieblingskamera, gehen Sie raus in die Welt und denken Sie daran: Scheuen Sie sich nicht, nah an Ihr Motiv heranzutreten!

This article is translated from English. If there are any mistakes in the translation, please view the English original here .
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