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Anpassung von Leica M-Mount-Objektiven an Digitalkameras: Vermeidung von Randunschärfe

von Jens Bols 0 Kommentare
Adapting Leica M-Mount Lenses to Digital: Avoiding Corner Smearing - OldCamsByJens

Also, du hast es endlich gewagt. Du hast ein wunderschönes, mechanisch perfektes Vintage- Leica M-Mount Objektiv ergattert. Du bewunderst die Messingkonstruktion, den butterweichen Fokusring und die Tatsache, dass es kaum größer als ein Golfball ist. Du schraubst es mit einem einfachen Metalladapter an deine moderne Sony-, Nikon- oder Canon-Spiegellose, atmest tief durch und drückst den Auslöser. Die Bildmitte sieht unglaublich aus – scharf, kontrastreich und voller dieses legendären Charakters.

Doch dann zoomst du an den Bildrändern hinein. Was ist da nur passiert? Die Ecken sind ein matschiges, verschwommenes Durcheinander. Gerade Linien wirken gebogen, der Kontrast ist weg, und vielleicht schleicht sich sogar ein seltsamer lila oder grüner Farbstich von den Seiten heran. Es hat mir das Herz gebrochen, als ich das zum ersten Mal an meiner eigenen Kamera gesehen habe.

Keine Panik, und verkaufe dein neu erworbenes Glas auf keinen Fall voreilig. Dein Objektiv ist nicht kaputt, und auch dein Adapter nicht. Du bist nur auf ein bekanntes physikalisches Problem in der Adapter-Community gestoßen: die Dicke des Sensorstapels. Hier erfährst du genau, warum das Adaptieren von M-Mount-Glas auf digital so knifflig sein kann und vor allem, wie du es tatsächlich beheben kannst.

Die Physik des Problems

Um zu verstehen, warum deine Weitwinkel-Rangefinder-Objektive auf einem modernen digitalen Sensor verschmieren, müssen wir zurückblicken, wie Film funktioniert. Film ist sehr verzeihend gegenüber Lichtwinkeln. Da Film eine unglaublich dünne, flache Oberfläche mit mikroskopisch kleinen chemischen Körnern ist, kann ein Lichtstrahl aus einem steilen, seitlichen Winkel auftreffen und trotzdem einen scharfen Punkt abbilden.

Digitale Sensoren sind ganz andere Wesen. Ein digitaler Sensor ist von einem „Sensorstapel“ bedeckt – einem ziemlich dicken Glasstück, das einen Infrarotfilter, einen UV-Filter und manchmal einen Anti-Aliasing-Filter enthält. Über den eigentlichen Pixeln befinden sich winzige mikroskopische Kuppeln, sogenannte Mikrolinsen, die das Licht gerade nach unten bündeln sollen.

Rangefinder-Objektive, besonders Weit- und Ultraweitwinkel aus der Vintage-Ära, verwenden symmetrische optische Designs. Da eine Leica M keinen riesigen Klappspiegel wie eine Spiegelreflexkamera hat, sitzt das hintere Linsenelement eines 28mm- oder 35mm-Objektivs erschreckend nah an der Bildebene. Das bedeutet, dass das Licht hinten aus dem Objektiv austritt und die Ecken des Sensors in extrem steilen Winkeln trifft.

Wenn Licht in einem steilen Winkel auf ein dickes, flaches Glas trifft, wird es gebrochen, gebogen und gestreckt. Stell dir vor, du schaust schräg durch ein dickes Aquarium; alles wird verzerrt und unscharf. Der Sensorstapel führt zu Feldwölbung und Astigmatismus bei einem Objektiv, das ursprünglich auf Film perfekt flach war. Das Ergebnis? Üble Verschmierung in den Ecken.

Welche Brennweiten sind unproblematisch?

Die gute Nachricht ist, dass nicht jedes M-Mount-Objektiv dieses Problem hat. Es hängt alles von der Brennweite und der spezifischen optischen Formel ab. Hier eine grobe Orientierung, was du beim Adaptieren an eine Standard-Spiegellose erwarten kannst:

  • 21mm bis 28mm: Willkommen in der Gefahrenzone. Die meisten Vintage-Objektive in diesem Bereich verwenden symmetrische Designs, bei denen das hintere Element direkt am Sensor anliegt. Erwarte starke Verschmierung in den Ecken bei Offenblende, und manche werden selbst bei Abblendung auf f/8 nie ganz scharf. Außerdem wirst du wahrscheinlich den „Italienischen Flaggen“-Effekt sehen – ein grüner und magentafarbener Farbstich an den linken und rechten Rändern.
  • 35mm: Das ist eine sehr unbeständige Kategorie. Einige ältere 35mm-Designs verschmieren die Ecken stark. Neuere M-Mount-Objektive oder etwas größere Vintage-Designs verlagern die Austrittspupille weiter vom Sensor weg. Bei vielen 35mm-Objektiven sehen die Ecken bei f/2 weich aus, werden aber bei f/5.6 schön scharf.
  • 50mm: Der sichere Hafen. Ab 50mm trifft das Licht den Sensor gerade genug (mehr telezentrisch), sodass das dicke Sensorglas fast keine sichtbare Verschmierung verursacht. Du kannst fast jedes 50mm M-Mount Objektiv mit Offenblende montieren und hervorragende Leistung erwarten.
  • 75mm bis 135mm: Perfektion pur. Teleobjektive haben die Austrittspupille sehr weit von der Bildebene entfernt. Die Lichtstrahlen sind praktisch parallel, wenn sie den Sensor treffen. Sie funktionieren digital genauso gut wie auf analogem Film.

Wie man die Verschmierung besiegt

Wenn du unbedingt Weitwinkel-M-Mount-Glas an deiner spiegellosen Kamera verwenden und perfekte Ecken haben möchtest, bist du nicht chancenlos. Fotografen haben einige geniale Lösungen für dieses Problem gefunden. Lass uns deine besten Optionen durchgehen.

1. Wähle einen dünneren Sensorstapel

Nicht alle spiegellosen Kameras sind gleich. Sony E-Mount-Kameras sind berüchtigt dafür, dass sie für das Adaptieren von M-Mount-Weitwinkelobjektiven schlecht geeignet sind, weil ihr Sensorglas unglaublich dick ist (etwa 2mm bis 2,5mm). Wenn du versuchst, ein 28mm-Objektiv an einer älteren Sony zu verwenden, sieht das Ergebnis katastrophal aus. Interessanterweise haben Nikon Z-Kameras einen viel dünneren Sensorstapel (etwa 1,1mm). Wenn du eine Nikon Z Kamera besitzt, wirst du mit Rangefinder-Objektiven bereits deutlich bessere Randleistung sehen.

2. Die Thin-Filter-Modifikation

Wenn du wirklich entschlossen bist, Rangefinder-Glas an Sony oder Canon anzupassen, kannst du deine Kamera zu einem spezialisierten Labor schicken, um eine Thin-Filter-Modifikation durchführen zu lassen. Firmen wie Kolari Vision öffnen deine Kamera, entfernen das dicke Werksglas und ersetzen es durch ein ultradünnes 0,2mm dickes Stück hochwertiges Glas. So wird aus einer gewöhnlichen spiegellosen Kamera eine maßgeschneiderte Vintage-Objektiv-Adaptermaschine. Deine Ecken werden sofort schärfer. Beachte aber, dass dies deine Garantie erlöschen lässt und manchmal die automatische Weißabstimmung beeinflussen kann.

3. Der PCX-Filter-Trick

Das ist ehrlich gesagt einer meiner liebsten nerdigen Workarounds. Wenn du deine Kamera nicht dauerhaft verändern möchtest, kannst du den verschmierten Lichtweg korrigieren, bevor er überhaupt ins Objektiv gelangt. Indem du einen speziellen plano-konvexen (PCX) optischen Filter an die Frontgewinde deines Objektivs schraubst, kannst du absichtlich eine Feldwölbung erzeugen, die genau die Feldwölbung ausgleicht, die durch das dicke Sensorglas deiner Kamera verursacht wird. Es erfordert etwas Mathematik und Zwischenringe, um den Abstand richtig einzustellen, aber wenn es perfekt abgestimmt ist, ist es pure Magie.

4. Farbverfälschungen in der Software korrigieren

Selbst wenn du die Verschmierung durch Abblenden etwas reduzierst, kann es immer noch zu seltsamen Farbverläufen kommen (Magenta in der Mitte, Grün in den Ecken), weil steile Lichtstrahlen von den Mikrolinsen reflektiert werden. Statt dich darüber zu ärgern, fotografiere einfach bei jedem Objektivwechsel ein Foto von einem weißen Blatt Papier unter gleichmäßiger Beleuchtung. In Adobe Lightroom kannst du dann das Werkzeug „Flat-Field Correction“ verwenden. Es subtrahiert automatisch den seltsamen Farbstich aus deinen Bildprofilen und rettet so deine ansonsten perfekten Fotos.

Bereit zum Adaptieren?

Schau, trotz der Eigenheiten ist das Adaptieren dieser wunderschönen manuellen Objektive auf einen digitalen Sensor eine der lohnendsten Arten, Fotografie zu erleben. Es verlangsamt dich, zwingt dich, bewusst zu arbeiten, und belohnt dich mit einer Bildwirkung, die moderne, klinisch perfekte Autofokus-Objektive einfach nicht erreichen können. Wenn du dich auf Brennweiten wie 50mm oder 90mm konzentrierst, umgehst du den ganzen Ärger komplett.

Wenn du bereit bist, dein nächstes Lieblingsobjektiv zu finden, kannst du unsere Auswahl an M-Mount-Objektiven durchsuchen und dein ultimatives Hybrid-Setup zusammenstellen. Egal, ob du auf der Suche nach einem traumhaften 50mm bist, um Randprobleme komplett zu vermeiden, oder ob du mutig genug bist, ein Weitwinkel-28mm zu meistern – diese Optiken sind gebaut, um uns alle zu überdauern. Schnapp dir einen Adapter, akzeptiere die Unvollkommenheiten als Teil des kreativen Prozesses und mach etwas Großartiges.

This article is translated from English. If there are any mistakes in the translation, please view the English original here .
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