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Anpassung von Mittelformat-Objektiven an digitale spiegellose Kameras: Ein praktischer Leitfaden

von Jens Bols 0 Kommentare
Adapting Medium Format Lenses to Digital Mirrorless: A Hands-On Guide - OldCamsByJens

Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich jemanden mit einer Sony spiegellosen Kamera sah, an der ein Objektiv befestigt war, das fast so groß wie eine Kaffeedose war. Es sah völlig lächerlich aus, komplett frontlastig und ehrlich gesagt einfach großartig. Das war meine Einführung in die wunderschön skurrile Welt der Anpassung von Vintage-Mittelformatobjektiven an moderne digitale Kameras.

Wenn du mit einer APS-C- oder Vollformat-Spiegellosen wie einer Sony, Fuji oder Canon R-Serie fotografierst, weißt du bereits, dass die Anpassung alter 35-mm-Filmobjektive eine fantastische Möglichkeit ist, deinen digitalen Dateien einen einzigartigen Charakter zu verleihen. Aber der Einstieg in Mittelformat-Glas hebt das Ganze auf ein ganz anderes Level. Heute sprechen wir darüber, legendäres Glas von Systemen wie dem Pentax 67 und dem Mamiya 645 zu nehmen und ihm auf deinem digitalen Sensor ein neues Leben zu geben.

Warum sollte man das tun?

Du fragst dich vielleicht, warum jemand schwere Mittelformatobjektive mit sich herumtragen sollte, wenn es doch viele native spiegellose Objektive gibt, die perfekt scharf und kompakt sind. Es gibt drei Hauptgründe, warum viele von uns das lieben.

Der Sweet-Spot-Vorteil: Mittelformatobjektive sind dafür ausgelegt, ein riesiges Filmformat abzudecken. Beim Pentax 67 ist das ein 6x7 Zentimeter großer Negativfilm. Beim Mamiya 645 sind es 6x4,5 Zentimeter. Dein Vollformat-Digitalsensor ist im Vergleich zu dieser Filmfläche winzig. Wenn du diese Objektive adaptierst, erfasst dein moderner Sensor nur das tote Zentrum des Bildkreises des Objektivs. In der Optik ist das Zentrum eines Objektivs fast immer der schärfste Bereich mit der geringsten Verzerrung. Durch die Verwendung von Mittelformatglas schneidest du im Grunde die Ecken ab und fotografierst nur durch den absolut hochwertigsten „Sweet Spot“ des Glases.

Der unverwechselbare Look und das Gefühl: Vintage-Mittelformatglas hat eine Tiefe und einen Charakter, den moderne, klinische spiegellose Objektive einfach nicht besitzen. Moderne Objektive sind perfekt beschichtet, um Reflexionen zu eliminieren und den Kontrast zu maximieren, was für kommerzielle Arbeiten großartig ist, aber manchmal etwas steril wirkt. Älteres Glas liefert dir eine wunderschöne, organische Farbwiedergabe, sanfte Übergänge von scharf zu unscharf und Reflexionen, die aussehen, als gehörten sie in einen Film. Das Bokeh ist oft unglaublich weich und filmisch.

Zukunftssicherheit: Viele Leute haben digitale Mittelformatkameras wie das Fuji GFX-System im Blick. Wenn du jetzt anfängst, Vintage-Mittelformatobjektive für deine Vollformatkamera zu kaufen und anzupassen, hast du bereits eine Tasche voller unglaublicher Objektive, die diesen riesigen digitalen Sensor abdecken, falls du irgendwann auf digitales Mittelformat umsteigen solltest.

Verstehen deiner Adapteroptionen

Das Schöne an spiegellosen Kameras ist, dass ihre Sensoren sehr nah am Objektivanschluss sitzen. Dieser geringe „Flanschabstand“ bedeutet, dass zwischen dem Kameragehäuse und dem Filmplane, den das Vintage-Objektiv erwartet, nur leerer Raum ist. Adapter füllen einfach diesen Raum. Bei Mittelformatobjektiven gibt es tatsächlich drei wirklich interessante Möglichkeiten, sie anzupassen.

1. Standard-Dummy-Adapter

Das ist die günstigste und einfachste Möglichkeit, loszulegen. Ein Dummy-Adapter ist einfach ein Metallrohr mit einem Anschluss für deine Kamera auf der einen Seite und einem Anschluss für dein Mittelformatobjektiv auf der anderen. Es gibt kein Glas darin, nur Luft. Da du ein Objektiv für ein größeres Format auf einem kleineren Sensor verwendest, wirkt es ähnlich wie ein Crop. Zum Beispiel gibt dir ein 80mm Mamiya 645 Objektiv an einer Vollformat-Sony über einen Dummy-Adapter ein 80mm Sichtfeld, aber du schaust nur durch das Zentrum dessen, was das Objektiv natürlich sieht.

2. Brennweitenreduzierer (Speedbooster)

Hier passiert die Magie. Brennweitenreduzierer, wie der beliebte Kipon Baveyes, haben spezielles optisches Glas direkt im Adaptergehäuse eingebaut. Anstatt deinen kleinen Sensor nur das Zentrum des Bildkreises croppen zu lassen, verkleinert der Brennweitenreduzierer den riesigen Mittelformat-Bildkreis so, dass er auf deinen Vollformat- (oder APS-C-) Sensor passt.

Das Ergebnis ist beeindruckend. Es stellt das ursprüngliche, breitere Sichtfeld wieder her, das das Objektiv auf Mittelformatfilm hatte. Noch besser: Indem all das zusätzliche Licht auf einen kleineren Bereich komprimiert wird, erhältst du tatsächlich eine zusätzliche Blendenstufe Lichtstärke. Plötzlich verhält sich dein f/2.8-Objektiv wie ein f/2.0-Objektiv, und du behältst diese wunderschöne, flache Mittelformat-Tiefenschärfe.

3. Tilt-Shift-Adapter

Das ist einer der coolsten Tricks in der Fotografie gerade. Weil der Bildkreis eines Mittelformatobjektivs viel größer ist als dein Sensor, hast du viel Spielraum, das Objektiv zu verschieben, ohne dunkle Ecken (Vignettierung) zu bekommen. Tilt-Shift-Adapter erlauben es dir, das Objektiv nach oben und unten zu schieben oder seitlich zu kippen. Du kannst jedes günstige Mamiya- oder Pentax-Objektiv in ein spezialisiertes Architektur-Shift-Objektiv verwandeln, um Perspektiven zu korrigieren, oder die Fokusebene kippen, um diesen Miniatur-Spielzeugstadt-Effekt zu erzielen.

Der Schwergewichtschampion: Pentax 67 Objektive

Wenn du ein Statement setzen willst, adaptiere Pentax 67 Glas. Sie werden liebevoll die „Texas Leica“ der Objektive genannt, weil alles an ihnen überdimensioniert und robust ist. Der unangefochtene König hier ist das Pentax 67 105mm f/2.4. In der analogen Welt ist dies ein legendäres Porträtobjektiv, das dafür bekannt ist, Motiven eine dreidimensionale Tiefe zu verleihen, die fast schon verboten wirkt.

Das Anpassen von Pentax 67 Objektiven bedeutet, mit einem ernsthaften Gewicht umzugehen. Deine Kamera wird im Grunde zum Zubehör des Objektivs, nicht umgekehrt. Du musst das gesamte Setup halten, indem du das Objektivgehäuse greifst, nicht den Kameragriff. Aber die manuellen Fokusringe dieser Objektive sind unglaublich geschmeidig und haben einen großen Verstellweg, was präzises Fokussieren mit Fokus-Peaking auf deinem spiegellosen Bildschirm zum absoluten Traum macht. Die Farbwiedergabe ist leicht warm, und das Bokeh ist berühmt cremig.

Der praktische Arbeitstier: Mamiya 645 Objektive

Wenn du alle Vorteile von Mittelformatglas möchtest, ohne deine Handgelenke zu ruinieren, sind die Mamiya 645 Sekor C Objektive der richtige Weg. Da das 645-Filmformat kleiner war als die stark überdimensionierten 6x7-Setups, sind die Objektive viel kompakter und besser für den täglichen Gebrauch geeignet.

Das Mamiya Sekor C 80mm f/2.8 ist ein unglaublich scharfes, schönes Standardobjektiv, das man meist zu einem guten Preis findet. Wenn du etwas Schnelleres möchtest, ist das 80mm f/1.9 eines der schnellsten Mittelformatobjektive, die je gebaut wurden, und seine Anpassung bietet dir eine verrückte Trennung des Motivs und eine enorme Lichtstärke. Im Gegensatz zu den wärmeren Pentax-Objektiven erzeugt Mamiya-Glas tendenziell kühlere, sehr klare und kontrastreiche Bilder. Sie sehen sowohl in farbintensiver Fotografie als auch in kontrastreichem Schwarzweiß fantastisch aus.

Wie es sich tatsächlich anfühlt zu fotografieren

Seien wir mal realistisch. Das Anpassen dieses Glases verlangsamt dich. Es gibt keinen Autofokus. Es gibt keine automatische Blendensteuerung. Du musst die Blende manuell am Objektiv einstellen, manuell fokussieren, während du dich auf das Fokus-Peaking oder die Bildschirmvergrößerung deiner Kamera verlässt, und ein Setup ausbalancieren, das oft sehr frontlastig ist.

Aber genau deshalb liebe ich es. Es zwingt dich, dich wirklich mit dem Handwerk auseinanderzusetzen. Du hörst auf, hundert Bilder pro Minute zu schießen, und beginnst, über Licht, Komposition und Tiefe nachzudenken. Es bringt das bewusste, meditative Tempo der analogen Fotografie in deinen digitalen Workflow, und die Dateien, die du aus dieser Kombination bekommst, sind einfach großartig.

Wenn du dich von moderner, klinischer Fotografie uninspiriert fühlst, ist das Anbringen von Vintage-Mittelformatglas an deine tägliche Kamera wohl der spaßigste Weg, etwas Neues auszuprobieren. Du brauchst nur das richtige Objektiv und einen günstigen Adapter, um loszulegen.

Bist du bereit, dieses Setup selbst auszuprobieren und zu sehen, worum der ganze Hype geht? Du kannst unsere Kollektion durchstöbern, um den perfekten Einstiegspunkt für dein neues Equipment zu finden. Schau dir unsere Auswahl an Vintage Mamiya Objektiven an oder suche hier nach legendärem Pentax 67 Equipment. Kombiniere eines davon mit einem einfachen Adapter von deinem Lieblingshändler, schalte dein Fokus-Peaking ein und fotografiere etwas Schönes.

This article is translated from English. If there are any mistakes in the translation, please view the English original here .
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