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Mittelformat für Einsteiger: Lohnt sich der Hype wirklich?

von Jens Bols 0 Kommentare
Medium Format for Beginners: Is It Actually Worth the Hype? - OldCamsByJens

Wenn du schon eine Weile mit 35mm-Film fotografierst, kennst du den Ablauf wahrscheinlich schon. Du liebst das Korn, genießt den haptischen Prozess und wirst immer sicherer bei der Belichtung. Aber früher oder später starrst du auf diese riesigen, unglaublich detaillierten Porträts in deinem Feed und fragst dich: „Wie zum Teufel haben die diesen speziellen Look hinbekommen?“ Wahrscheinlich, mein Freund, schaust du auf ein Medium-Format-Foto.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich vor ein paar Jahren auf Medium Format umgestiegen bin. Es fühlte sich an, als würde man in eine ganz andere Dimension der Fotografie eintauchen. Aber ehrlich? Ich erinnere mich auch daran, wie ich auf mein Bankkonto geschaut und mich gefragt habe, ob der Kauf einer sperrigen, schweren, komplett manuellen Kamera wirklich eine kluge Entscheidung war. Wenn du also gerade darüber nachdenkst, ob du den Sprung wagen sollst, lass uns genau erklären, was Medium Format eigentlich ist, welche verschiedenen Bildgrößen du wählen kannst, die klaren Vor- und Nachteile und ob sich die Investition für einen Anfänger wirklich lohnt.

Was genau ist Medium Format (und was ist 120 Film)?

In der weiten Welt der Filmfotografie bezieht sich „Format“ im Grunde nur auf die physischen Abmessungen des Filmnegativs. Die meisten der bekannten Kompaktkameras und Standard-Spiegelreflexkameras, die du wahrscheinlich gewohnt bist, verwenden 35mm-Film. Medium Format hingegen basiert fast ausschließlich auf 120 Film.

Ohne zu sehr in die langweilige technische Geschichte einzutauchen: 120 Film ist im Grunde eine Filmrolle, die viel breiter ist als der Standard-35mm-Film. Er funktioniert tatsächlich auch ganz anders. Anstatt in einer kleinen Metallkassette untergebracht zu sein, ist 120 Film fest um eine Kunststoffspule gewickelt, zusammen mit einem undurchsichtigen Rückseitenpapier, das ihn vor Licht schützt. Weil das physische Filmnegativ buchstäblich größer ist, fängt es eine enorme Menge Licht und Details ein. Wenn du ein gut belichtetes Medium-Format-Negativ scannst, ist die Auflösung beeindruckend. Es enthält so viele Informationen, dass 35mm im Vergleich fast pixelig wirkt.

Aber hier ist der Haken, der viele Anfänger verwirrt: Im Gegensatz zu 35mm, wo du praktisch immer 36 Aufnahmen mit den Maßen 24x36mm bekommst, hat 120 Film keine feste Bildgröße. Die Anzahl der Aufnahmen, die du aus einer Rolle herausholst, hängt komplett vom jeweiligen Kameramodell ab.

Die Zahlenvielfalt: 6x4,5, 6x6, 6x7 und 6x9

Wenn du dich auf die Suche nach deiner ersten Medium-Format-Kamera machst, wirst du viele Zahlen sehen. Diese beziehen sich auf die Bildgröße in Zentimetern. Da die 120-Filmrolle immer die gleiche Breite hat (etwa 6 cm), bestimmt die Mechanik der Kamera, wie lang jedes Bild gezogen wird. Hier eine kurze Übersicht der gängigsten Formate:

  • 6x4,5 (oder 645): Das ist die kleinste Medium-Format-Größe. Weil pro Aufnahme weniger Film verbraucht wird, bekommst du 15 oder 16 Aufnahmen pro Rolle. Es ist ein traditionelles rechteckiges Format und fühlt sich sehr ähnlich an wie das Komponieren auf 35mm, nur mit viel höherer Auflösung. Es ist generell der günstigste und leichteste Einstieg ins Medium Format.
  • 6x6: Das klassische quadratische Format. Berühmt geworden durch legendäre Hasselblads und alte Zweiäugige Spiegelreflexkameras (TLR). Du bekommst genau 12 Aufnahmen pro Rolle. Das Komponieren in einem perfekten 1:1-Quadrat verändert komplett, wie du die Welt siehst – es macht unglaublich viel Spaß, ist herausfordernd und zwingt dich, deine Motive bewusst zu zentrieren.
  • 6x7: Oft als „ideales Format“ bezeichnet, weil seine Proportionen perfekt zu Standarddruckgrößen wie 8x10 passen, ohne viel zuschneiden zu müssen. Es ist ein kräftiges, markantes Rechteck, das dir 10 große Aufnahmen pro Rolle liefert. Es gilt als Goldstandard für hochwertige Porträt- und Editorial-Fotografen.
  • 6x9: Dieses Format hat das gleiche Seitenverhältnis von 3:2 wie der Standard-35mm-Film, nur eben riesig. Hier bekommst du nur 8 Aufnahmen pro Rolle. Oft findet man es bei Vintage-Faltkameras; diese Negative sind im Grunde so groß wie eine Spielkarte.

Die Vorteile: Warum sich viele Hals über Kopf verlieben

Es gibt einen guten Grund, warum Fotografen trotz der Eigenheiten dieser Kameras so begeistert sind. Der erste ist die unvergleichliche Detailgenauigkeit und der Dynamikumfang. Du kannst ein Medium-Format-Negativ auf die Größe eines Plakatwand vergrößern, und es behält trotzdem seine Schärfe und sanfte Tonübergänge.

Dann gibt es den berühmten „Medium Format Look“. Durch die Physik, wie größere Objektive Licht auf viel größere Negative projizieren, bekommst du einen unglaublich sanften Übergang von scharfen, fokussierten Bereichen zu cremigen, unscharfen Hintergründen. Dein Motiv scheint förmlich aus einem butterweichen Hintergrund dreidimensional herauszupoppen – etwas, das auf 35mm oder sogar modernen Vollformat-Digitalkameras kaum vollständig nachzuahmen ist.

Und schließlich der Prozess an sich. Medium Format verlangsamt dich, und das meine ich im besten Sinne. Mit nur 10 oder 12 Aufnahmen pro Rolle kannst du nicht einfach drauflosknipsen. Du musst dein Licht sorgfältig messen, genau auf dem Glas komponieren und den Fokus doppelt überprüfen. Es zwingt dich, ein disziplinierterer, bewusster Fotograf zu werden. Zum ersten Mal durch einen großen, hellen Sucher auf Brusthöhe zu schauen, ist fast magisch.

Die Nachteile: Wovor dich niemand warnt

Seien wir mal ehrlich – Medium Format zu fotografieren ist nicht immer ein Spaziergang. Der offensichtlichste Nachteil sind die laufenden Kosten. Während die 120-Filmrollen selbst meist ungefähr so viel kosten wie eine 35mm-Rolle, bekommst du viel weniger Aufnahmen. Jedes Mal, wenn du den Auslöser drückst, kostet dich das etwa zwei- bis dreimal so viel.

Dann ist da noch das Gewicht. Die meisten dieser Kameras sind solide, unverblümte Klötze aus Metall und Glas. Eine massive 6x7-Spiegelreflexkamera wie eine Pentax 67 oder eine Mamiya RB67 den ganzen Tag um den Hals zu tragen, gibt dir garantiert Rückenschmerzen. Sie sind sperrig, auffällig und passen selten bequem in einen normalen Tagesrucksack.

Außerdem gibt es eine steile Lernkurve. Viele ältere Medium-Format-Modelle aus der Mitte des Jahrhunderts sind komplett mechanisch. Das bedeutet kein Autofokus, keine automatische Belichtung und sehr häufig nicht einmal ein eingebautes Belichtungsmessgerät. Du bist komplett manuell unterwegs.

Gute Einsteigerkameras, nach denen du Ausschau halten solltest

Wenn du bereit bist, es auszuprobieren, ist die gute Nachricht: Du musst nicht sofort Tausende von Euro für eine Hasselblad ausgeben. Ein fantastischer Einstieg ist eine Zweiäugige Spiegelreflexkamera (TLR) wie eine Yashica Mat oder eine Rolleicord. Sie fotografieren im wunderschönen 6x6-Quadratformat, haben meist hervorragende Festbrennweiten und du schaust durch einen Sucher auf Brusthöhe nach unten. Sie sind relativ leicht und unglaublich leise.

Wenn du ein modulares SLR-System bevorzugst, bei dem du Objektive und Rückteile wechseln kannst, schau dir die Bronica ETRS oder ähnliche Systeme an. Sie fotografieren im wirtschaftlicheren 6x4,5-Format und liegen in der Handhabung näher an den 35mm-Spiegelreflexkameras, die du vielleicht schon kennst. Oder wenn dir Mobilität am wichtigsten ist, suche nach Vintage-Faltkameras. Wann immer du bereit bist zu stöbern, haben wir immer eine sorgfältig geprüfte und gewartete Auswahl an Medium-Format-Kameras bereit für ein neues Zuhause.

Also, lohnt sich die Investition wirklich?

Ehrlich? Absolut, vorausgesetzt, du weißt, worauf du dich einlässt. Wenn du eine schnelle Kamera für nächtliche Partys oder schnelle Straßenfotos suchst, wird dich ein sperriges Medium-Format-Setup wahrscheinlich verrückt machen. Bleib dann lieber bei einer wendigen 35mm-Kompaktkamera. Aber wenn du Landschaften, durchdachte Porträts oder stille Arrangements fotografierst und wirklich langsamer werden und ein Bild gestalten möchtest, statt nur eines zu knipsen, ist Medium Format unglaublich lohnend.

Es wirkt direkt darauf, wie du die Welt wahrnimmst. Es lehrt enorme Geduld. Und ich verspreche dir, das allererste Mal, wenn du diese riesigen, wunderschön belichteten Negativscans aus dem Labor zurückbekommst, fühlt sich der Preis pro Aufnahme plötzlich völlig und absolut gerechtfertigt an.

Wenn du dein allererstes Medium-Format-Set zusammenstellst, können wir dir definitiv helfen. Neben unserem spezialisierten 120-Zubehör führen wir eine große Auswahl an allen Kameras, die zu jeder Phase deiner analogen Reise passen. Da viele klassische Medium-Format-Modelle keine eingebaute Belichtungsmessung haben, empfehle ich dringend, ein zuverlässiges externes Belichtungsmessgerät zu besorgen, damit du deine Belichtungen nicht raten musst. Über unsere Belichtungsmesser-Suchseite findest du leicht tolle, handliche Optionen, die dir jedes Mal dicke, perfekt belichtete Negative garantieren. Außerdem bekommen wir ständig ikonische Medium-Format-Marken in den Laden, also wenn du direkt in ein legendäres System einsteigen möchtest, ist ein Blick in unseren aktuellen Mamiya-Bestand ein fantastischer nächster Schritt. Viel Spaß beim Fotografieren und hab keine Angst, es langsam anzugehen!

This article is translated from English. If there are any mistakes in the translation, please view the English original here .
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