Fuji GW690 vs. Pentax 67: Die Texas Leica trifft das Monster
Wenn man lange genug mit Filmfotografen zusammen ist, dreht sich das Gespräch früher oder später immer um die Negativgröße. Klar, 35mm ist großartig für den Alltag, und das Halbformat erlebt gerade eine riesige Renaissance. Aber irgendwann erwischt einen der Medium-Format-Virus. Man fängt vielleicht vernünftig mit einer kleinen 645-Kamera oder einer leichten Mittelformatkamera mit zwei Objektiven an, aber früher oder später schaut man sich die Schwergewichte an. Man will die großen Negative. Die massiven, detailreichen Negative, die man auf eine Leuchtplatte legen und bewundern kann.
Wenn man an diesem Punkt angekommen ist, landen meist zwei legendäre Kameras auf dem Radar: die Fuji GW690 und die Pentax 67. Beide sind absolute Giganten der Mittelformatwelt, aber sie gehen das Fotografieren auf völlig entgegengesetzte Weise an. Die eine ist ein übergroßer Messsucher mit festem Objektiv. Die andere eine kolossale Spiegelreflexkamera, die sich anfühlt, als wäre sie aus einem massiven Messingblock gefräst.
Ich liebe beide Kameras absolut, aber die Wahl zwischen ihnen hängt meist von deinem Aufnahme-Stil, deiner körperlichen Belastbarkeit für Gewicht und davon ab, wie sehr du den Spiegelklappenschlag hasst (oder liebst). Lass uns anschauen, wie es sich tatsächlich anfühlt, mit der Texas Leica gegen das Monster zu fotografieren.
Die Fuji GW690: Die Texas Leica
Die Fuji GW690 hat ihren Spitznamen „Die Texas Leica“ aus einem ganz einfachen Grund bekommen: Sie sieht genau aus wie ein klassischer 35mm-Messsucher (wie eine Leica M3), aber in völlig absurden, alles-ist-größer-in-Texas-Proportionen. Wenn man sie zum ersten Mal aus der Tasche zieht, machen die Leute oft einen zweiten Blick. Sie ist komisch groß.
Aber trotz ihres enormen Volumens ist die GW690 überraschend handhabbar. Weil kein massiver Spiegelmechanismus oder schwerer Wechselobjektivanschluss drin ist, ist sie nicht völlig rückenbrechend zu tragen. Sie fühlt sich für ihre Größe etwas hohl an, meistens auf eine gute Art.
Diese Kamera belichtet ein 6x9 Zentimeter großes Negativ. Das ist einfach riesig. Es hat das exakt gleiche Seitenverhältnis 2:3 wie 35mm-Film, nur auf gigantische Proportionen vergrößert. Weil die Bilder so lang sind, bekommt man auf einer Standardrolle 120-Film nur acht Aufnahmen. Acht Aufnahmen. Man muss wirklich langsamer machen und es ernst meinen, wenn man den Auslöser drückt.
Was den Verschluss angeht, verwendet die GW690 einen mechanischen Lamellenverschluss, der direkt im Objektiv eingebaut ist. Das Objektiv selbst – meist ein festes 90mm f/3.5 Fujinon – ist dauerhaft am Gehäuse befestigt. Es ist phänomenal scharf und stellt Details in Landschaften oder Architektur dar, die bei ordentlicher Digitalisierung mit modernen digitalen Sensoren konkurrieren können. Weil sie einen Lamellenverschluss nutzt, hört sich das Auslösen wie ein leises, höfliches „Klick“ an. Es gibt keine Vibration. Man kann diese riesige Kamera bei überraschend langsamen Verschlusszeiten aus der Hand halten, was sie zu einem fantastischen (wenn auch sperrigen) Begleiter für Reisen und Straßenfotografie macht.
Fokussiert wird über ein Messsucherfenster im optischen Sucher. Es ist komplett mechanisch – keine Batterien nötig, kein eingebautes Belichtungsmessgerät. Es bist nur du, dein externes Belichtungsmessgerät und eine große mechanische Box, die genau eine Sache perfekt macht.
Die Pentax 67: Das Monster
Wenn die Fuji ein übergroßer Messsucher ist, dann ist die Pentax 67 eine übergroße K1000. Es ist eine traditionelle Spiegelreflexkamera (SLR), nur aufgeblasen auf die Größe eines Ziegelsteins. Und anders als die Fuji fühlt sie sich genau so schwer an, wie sie aussieht. Eine Pentax 67 mit Objektiv hochzuheben ist ein echtes Bizepstraining.
Die Pentax belichtet ein 6x7 Zentimeter großes Negativ. Dieses Seitenverhältnis ist etwas quadratischer als das 6x9 der Fuji und passt wunderschön zu den Standard-Druckgrößen 8x10 ohne viel Beschnitt. Weil die Negative etwas kleiner sind, bekommt man zehn Aufnahmen pro 120-Filmrolle statt acht.
Der wahre Zauber der Pentax 67 liegt im SLR-Design und der unglaublichen Auswahl an Wechselobjektiven. Wenn man durch das riesige Glasprisma der Pentax schaut, sieht man genau das, was das Objektiv sieht. Man kann genau vorschauen, wie die Schärfentiefe aussehen wird, was sie zum absoluten Traum für Porträtfotografen macht.
Und wir müssen über das Glas sprechen. Das Pentax 67-System hat ehrlich gesagt lächerliche Objektive, angeführt vom legendären 105mm f/2.4. Dieses Objektiv bei Offenblende auf einem 6x7-Negativ zu verwenden, erzeugt einen Look, der fast unmöglich zu kopieren ist. Das Motiv ist messerscharf, während der Hintergrund in einem cremigen, dreidimensionalen Bokeh verschwimmt. Atemberaubend.
Allerdings hat das SLR-Design einen riesigen Nachteil: den Spiegel. Weil der Spiegel in der Kamera so groß ist, verursacht das Hochklappen beim Auslösen eine massive Vibration. Der „Spiegelklappenschlag“ der Pentax 67 ist berühmt. Das Auslösen klingt wie eine Autotür, die zugeschlagen wird. Wegen dieses Rückschlags kann das Fotografieren mit der Pentax aus der Hand bei langsamen Verschlusszeiten (wie 1/30 oder 1/60 Sekunde) tatsächlich zu unscharfen Bildern führen, weil die Kamera sich selbst verwackelt. Für kritische Landschaftsaufnahmen braucht man ein sehr stabiles Stativ und die Spiegelvorauslösung.
Direkter Vergleich: Welche passt zu deinem Stil?
Die Wahl zwischen den beiden hängt davon ab, was dich mehr nervt: das Raten beim Bildausschnitt oder den ganzen Tag einen sehr schweren Klotz zu tragen.
Portabilität und Reisen: Hier gewinnt die Fuji klar. Ja, sie ist sperrig, aber das geringere Gewicht und der fehlende Spiegelklappenschlag machen sie zu einer fantastischen Kamera für unterwegs. Ich bin mit einer GW690 gewandert, und obwohl sie viel Platz in meiner Tasche einnimmt, schreit mein Nacken nicht vor Schmerzen. Die Pentax hingegen ist für die meisten Sterblichen eher eine Studio- und Kurzstreckenkamera. Am glücklichsten ist sie auf einem Stativ.
Porträts vs. Landschaften: Wenn du Porträts machst, Halbporträts bevorzugst, nah an die Gesichter herangehst und Bokeh liebst, ist die Pentax 67 die klare Wahl. Die Durchsicht durch das Objektiv und das schnelle 105mm f/2.4 machen sie zur Porträtmaschine. Das f/3.5-Festobjektiv der Fuji ist großartig, aber die Messsucher-Bildkomposition erlaubt es nicht, extrem nah heranzugehen, und man sieht nicht genau, wie unscharf der Hintergrund wird. Für Landschaften hingegen ist die unglaubliche Schärfe bis zum Rand des 90mm-Objektivs der Fuji und der vibrationsfreie Lamellenverschluss ein Traum für Landschaftsfotografen.
Das Aufnahmeerlebnis: Die Fuji zwingt zur Einfachheit. Festes Objektiv, komplett mechanisch, acht Aufnahmen, keine Batterie. Es ist eine reine fotografische Übung. Die Pentax bietet Flexibilität. Man kann Sucher tauschen (Brust- oder Prismensucher), Objektive von Weitwinkel bis zu riesigen Teleobjektiven wechseln und ein ganzes System drumherum aufbauen.
Das abschließende Urteil
Man kann mit keiner der beiden etwas falsch machen. Beide sind Spitzenleistungen der Filmkamera-Technik.
Wenn du den Prozess des Messsucherfokussierens liebst, deine Ausrüstung gerne einfach hältst und das größte Negativ willst, das du auf einer Reise leicht tragen kannst, dann such dir eine Fuji GW690. Wenn du aber diesen speziellen, wunderschön isolierten Porträtlook suchst, nichts dagegen hast, ein schweres Messingstück zu tragen, und den mechanischen Klack einer riesigen SLR liebst, dann brauchst du die Pentax 67 in deinem Leben.
Beide legendären Mittelformat-Boliden sind regelmäßig in unserem Shop verfügbar, und da keine von beiden ein eingebautes Belichtungsmessgerät hat, solltest du dir gleich ein gutes Belichtungsmessgerät dazu holen. Du kannst unseren aktuellen Bestand nach einer Fuji GW690 durchsuchen oder sehen, ob wir die mächtige Pentax 67 auf Lager haben. Und wenn du dich für die Pentax entscheidest, tu deinem Nacken einen großen Gefallen und besorg dir einen breiten, robusten Kameragurt – glaub mir, den wirst du brauchen.