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Wie man Blitzlicht für natürlich wirkende Indoor-Porträts indirekt einsetzt

von Jens Bols 0 Kommentare
How to Bounce Flash for Natural-Looking Indoor Portraits - OldCamsByJens

Ich erinnere mich genau an den Moment, als mir klar wurde, dass ich den Blitz meiner Kamera komplett falsch benutzt hatte. Ich fotografierte auf der Geburtstagsparty eines Freundes in einer schwach beleuchteten Wohnung. Ich hatte meine treue 35mm Spiegelreflexkamera, einen Film mit ISO 400 und meinen Blitz direkt auf dem Blitzschuh montiert, der geradewegs in die Gesichter aller zeigte. Als ich eine Woche später die Scans aus dem Labor zurückbekam, zuckte ich tatsächlich sichtbar zusammen. Jedes einzelne Foto sah aus wie ein Polizeifoto.

Die Gesichter meiner Freunde wirkten völlig flach und ausgewaschen. Ihre Stirnen glänzten mit überbelichteten Highlights, harte schwarze Schatten klebten direkt hinter ihren Köpfen an der Wand, und fast alle hatten leuchtend rote Augen. Lange Zeit danach sagte ich mir, ich hasse Blitzfotografie. Stolz erklärte ich mich zum „Nur-Naturlicht“-Fotografen. Aber die Wahrheit war, ich vermied den Blitz nicht nur, weil ich natürliches Licht bevorzugte. Ich vermied ihn, weil ich nicht wusste, wie ich ihn kontrollieren sollte. Genauer gesagt, ich wusste nicht, wie man den Blitz reflektiert.

Als ich lernte, wie man den Blitz reflektiert, änderte sich alles. Plötzlich liebte ich es, drinnen zu fotografieren. Ich konnte wunderschöne, weiche, schmeichelhafte Porträts in meinem Wohnzimmer um Mitternacht machen. Wenn du mit diesem „Reh-im-Scheinwerferlicht“-Look in deinen Innenaufnahmen kämpfst, wirst du diese Technik lieben. Schnapp dir deine Kamera, und lass uns darüber sprechen, wie du deinen Blitz reflektierst.

Das Problem mit direktem Blitz

Um zu verstehen, warum reflektierter Blitz so gut aussieht, müssen wir zuerst verstehen, warum direkter Blitz meistens so schlecht aussieht. Die Qualität einer Lichtquelle wird fast ausschließlich durch ihre Größe im Verhältnis zum Motiv bestimmt. Eine große Lichtquelle – wie ein großes Fenster oder ein bewölkter Himmel – umhüllt dein Motiv, füllt Schatten auf und schafft weiche, sanfte Übergänge von Hell zu Dunkel. Das lässt Menschen großartig aussehen.

Eine kleine Lichtquelle hingegen erzeugt harte, abrupte Schatten und starken Kontrast. Stell dir vor, du richtest eine winzige LED-Taschenlampe direkt ins Gesicht von jemandem in einem dunklen Raum. Das ist grell und unvorteilhaft. Dein Aufsteckblitz ist eine sehr kleine Lichtquelle. Wenn du ihn direkt auf jemanden richtest, triffst du ihn mit einem winzigen, intensiven Strahl harten Lichts. Das plättet die Gesichtszüge und erzeugt diese hässlichen, scharfen Schatten direkt dahinter.

Was ist reflektierter Blitz?

Reflektieren ist genau das, was es klingt. Statt den Blitzkopf direkt auf das Gesicht deines Freundes zu richten, kippst oder drehst du den Blitzkopf so, dass er auf eine große Fläche in der Nähe zeigt – meistens die Decke oder eine Wand. Wenn der Blitz ausgelöst wird, reist das Licht nach oben, trifft die Decke, streut und fällt zurück auf dein Motiv.

Dadurch veränderst du effektiv die Lichtquelle. Die Blitzanlage ist nicht mehr die Lichtquelle; die gesamte Decke ist es. Du hast gerade eine Lichtquelle, die zwei Zoll breit ist, in eine Lichtquelle verwandelt, die zwanzig Fuß breit ist. Das Ergebnis ist ein riesiges, umhüllendes, unglaublich weiches Licht, das völlig natürlich wirkt. Es ahmt das schöne, weiche Umgebungslicht nach, das man in einem hochwertigen Fotostudio findet – und das mit nur einem einzigen Gerät.

Meine liebsten Reflektiertechniken

Nicht alle Reflektiertechniken sind gleich. Wo du dein Licht reflektierst, verändert die Stimmung und das Aussehen deines Porträts komplett. Hier sind die drei Methoden, die ich am häufigsten verwende, je nachdem, in welchem Raum ich mich befinde.

Der klassische Deckenreflex

Das ist die einfachste und gebräuchlichste Art, Blitz zu reflektieren. Kippe einfach deinen Blitzkopf gerade nach oben oder leicht nach vorne geneigt zur Decke. Wenn das Licht ausgelöst wird, reflektiert es nach unten und beleuchtet dein Motiv von oben. Es wirkt sehr natürlich, weil wir es gewohnt sind, Menschen von oben durch Sonne oder Deckenlampen beleuchtet zu sehen.

Es gibt nur einen Haken: Wenn du zu nah an deinem Motiv stehst, kommt das Licht aus einem so steilen Winkel, dass es Schatten unter den Augen und der Nase erzeugen kann, die oft „Waschbäraugen“ genannt werden. Um das zu beheben, zieh die kleine weiße Plastik-Reflektorplatte heraus, die in den meisten modernen Blitzen im Kopf eingebaut ist. Sie wirft einen kleinen Lichtstrahl direkt nach vorne ins Gesicht deines Motivs, füllt diese Augenschatten auf und fügt einen schönen kleinen Lichtpunkt (Catchlight) in den Augen hinzu.

Der gerichtete Wandreflex

Das ist meine absolute Lieblingsmethode für Indoor-Porträts. Statt den Blitz nach oben zu richten, drehst du den Kopf 90 Grad nach links oder rechts, sodass er auf eine Seitenwand zeigt. Wenn du den Blitz auslöst, reflektiert das Licht von der Wand und trifft dein Motiv von der Seite.

Diese Technik ahmt das Aussehen einer Person nach, die neben einem großen, hellen Fenster steht. Sie erzeugt schönes, gerichtetes Licht, das dem Gesicht Form, Tiefe und Charakter verleiht. Eine Seite des Gesichts wird sanft beleuchtet, während die andere Seite sanft in einen schmeichelhaften Schatten übergeht. Es sieht so professionell aus, dass die Leute kaum glauben werden, dass du es auf einer Hausparty mit nur einem Aufsteckblitz aufgenommen hast.

Der rückwärtige Reflex

Wenn du dich jemals in einem Raum mit einer mäßig niedrigen weißen Decke und weißen Wänden hinter dir befindest, versuche, deinen Blitz schräg über deine eigene Schulter weg vom Motiv zu richten. Das Licht reflektiert von der Decke und der Wand direkt hinter dir und verwandelt effektiv die Hälfte des Raums, in dem du stehst, in eine riesige Softbox. Das erzeugt das weichste, schattenloseste Licht, das möglich ist. Es verbraucht viel Blitzleistung, aber die Ergebnisse sind unglaublich cremig und schön.

Achte auf Farbstiche

Bevor du anfängst, deinen Blitz von jeder Oberfläche in Sichtweite zu reflektieren, gibt es eine wichtige Regel, die du beachten musst: Der Blitz nimmt die Farbe der Oberfläche an, von der er reflektiert wird. Die Oberfläche wirkt wie ein großer Farbfilter.

Wenn du in einem Wohnzimmer mit schönen weißen Decken und neutralen beigen Wänden bist, bist du auf der sicheren Seite. Aber wenn du versuchst, deinen Blitz von einer dunkelroten Backsteinwand zu reflektieren, wird das Licht, das dein Motiv trifft, rot getönt sein, sodass es völlig sonnenverbrannt aussieht. Wenn du von einer hellgrünen Wand reflektierst, sieht dein Motiv krank aus. Scanne immer den Raum nach weißen oder hellgrauen Flächen. Wenn ich in einem Raum mit dunklen Holzbalkendecken oder kräftig gestrichenen Wänden bin, muss ich meistens auf eine nahegelegene weiße Tür ausweichen oder den Blitz außerhalb der Kamera verwenden.

Die richtigen Einstellungen finden

Reflektiertes Licht bedeutet, dass das Licht eine viel längere Strecke zurücklegen muss – vom Blitz zur Decke und dann zum Motiv. Deshalb verliert es unterwegs viel an Intensität. Direkter Blitz ist sehr hell, aber reflektierter Blitz benötigt deutlich mehr Leistung.

Wenn du digital fotografierst oder eine moderne Filmkamera benutzt, ist es meistens am besten, den Blitz auf TTL (Through The Lens) einzustellen. Die Kamera berechnet automatisch die Entfernung und wie viel zusätzliche Leistung der Blitz ausgeben muss, um eine gute Belichtung zu erzielen.

Um deinen Blitz zu unterstützen, solltest du die Blende deines Objektivs etwas öffnen (f/4 oder f/2.8 sind ideal für Indoor-Porträts) und die Lichtempfindlichkeit erhöhen. Wenn ich digital fotografiere, stelle ich drinnen oft ISO 800 oder 1600 ein. Wenn ich drinnen mit Film und Blitz fotografiere, verwende ich fast immer einen Film mit ISO 400 oder 800. So muss der Blitz nicht bei jedem Foto mit maximaler Leistung feuern, was die Batterien schont und die Blitzbereitschaft verbessert.

Die richtige Ausrüstung für den Job

Um das alles zu machen, brauchst du ein ganz bestimmtes Ausrüstungsstück. Du kannst kein Licht mit dem winzigen Aufklappblitz an der Kamera reflektieren, noch kannst du einen alten Vintage-Blitz mit festem Kopf verwenden, der nur nach vorne zeigt. Du brauchst einen speziellen Aufsteckblitz mit schwenkbarem Kopf – das heißt, der obere Teil des Blitzes kann physisch nach oben und unten gekippt und nach links und rechts gedreht werden.

Wenn du deine Partyfotos und Indoor-Porträts deutlich verbessern willst, ist der Verzicht auf direktes Licht und die Anschaffung eines Aufsteckblitzes das einfachste und kostengünstigste Upgrade, das du machen kannst. Du brauchst keinen brandneuen, topmodernen Studioblitz. Ältere Speedlites funktionieren wunderbar und haben alle Leistung, die du brauchst, um Licht effektiv zu reflektieren. Du kannst in unserer Sammlung stöbern und ganz einfach einen erschwinglichen gebrauchten Speedlite finden, der perfekt zu deinem Kamerasystem und Budget passt.

Blitzfotografie muss nicht einschüchternd sein und sollte deine Porträts auf keinen Fall ruinieren. Das nächste Mal, wenn du drinnen nach Sonnenuntergang fotografierst, widerstehe dem Drang, den Blitz direkt auf deine Freunde zu richten. Kippe den Kopf nach oben, suche eine schöne weiße Wand und sieh, wie sehr sich deine Fotografie verändert.

This article is translated from English. If there are any mistakes in the translation, please view the English original here .
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