Wie man ein individuelles Lightroom-Film-Preset mit eigenen Scans erstellt
Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich habe im Laufe der Jahre wahrscheinlich viel zu viel Geld für Film-Emulations-Presets ausgegeben. Wir kennen alle den Ablauf: Man sieht eine wunderschön stimmungsvolle, nostalgische Werbung für ein Preset-Paket, gibt vierzig Euro dafür aus, legt es auf eine seiner digitalen RAW-Dateien und zieht sofort eine Grimasse, weil das Foto plötzlich wie ein übertriebener Instagram-Filter aus dem Jahr 2013 aussieht.
Hier ist die Realität über den „Film-Look“, über die Preset-Firmen normalerweise nicht sprechen: Was wir als Film-Look wahrnehmen, existiert nicht isoliert. Deine Filmscans sind letztlich nur digitale Dateien, die von dem spezifischen Scanner deines Labors interpretiert werden – meist ein Fuji Frontier oder ein Noritsu. Je nachdem, wie der Labortechniker den Schwarzpunkt, den Weißabgleich und die Kontrastkurve einstellt, kann dein Filmstreifen Portra 400 ganz anders aussehen als meiner. Deshalb funktionieren generische Presets bei deinen Bildern nie ganz richtig.
Vor ein paar Jahren habe ich angefangen, etwas viel Spaßigeres und deutlich Effektiveres zu machen. Ich habe aufgehört, generische Presets zu kaufen, und angefangen, meine eigenen Filmsimulationen in Adobe Lightroom zu erstellen, indem ich mich an meinen tatsächlichen physischen Scans orientierte. Der Prozess ist einfach, unglaublich lohnend und lehrt dich mehr über Farbkorrektur als hundert YouTube-Tutorials. So mache ich es genau.
Schritt 1: Das Kontroll-Setup
Um das richtig zu machen, brauchst du einen Kontrolltest. Du kannst eine digitale RAW-Datei, die mittags bei hellem Sonnenschein aufgenommen wurde, nicht mit einem Filmscan vergleichen, der bei Dämmerung entstanden ist – das Licht beeinflusst die Farben zu stark. Du musst dieselbe Szene zur exakt gleichen Zeit mit beiden Kameras fotografieren.
Schnapp dir deine Lieblings-Filmkamera, lade den Film, den du emulieren möchtest (nehmen wir Kodak Gold 200 für diese warmen, alltäglichen Vibes), und pack deine Digitalkamera ein. Versuche, bei beiden eine ähnliche Brennweite zu verwenden. Finde eine Szene mit gutem Dynamikumfang – vielleicht ein Porträt eines Freundes mit markanten Primärfarben (ein rotes Hemd oder blaue Jeans) im offenen Schatten. Mach das Foto auf Film, messe sorgfältig, und dann sofort dasselbe Foto mit deiner Digitalkamera im RAW-Format. Schick deinen Film an dein bevorzugtes Labor.
Schritt 2: Der Referenzmodus
Sobald du deine Laborscans zurückbekommst, importiere sowohl den hochauflösenden Filmscan als auch deine digitale RAW-Datei in Lightroom. Wähle beide Bilder in deiner Bibliothek aus und drücke Shift+R. So öffnet sich die Referenzansicht.
Dein Bildschirm wird halbiert. Lege den Filmscan links (die Referenz) und die digitale Datei rechts (die aktive Bearbeitung) ab. Diese Seiten-an-Seiten-Ansicht ist das Geheimnis. Du musst nicht mehr raten, wie Film aussieht; er sitzt buchstäblich direkt neben deiner digitalen Datei und fordert dich heraus, ihn zu treffen.
Schritt 3: Grundbelichtung und Weißabgleich einstellen
Bevor du Farben anfasst, bring dein Licht zum Übereinstimmen. Digitale Sensoren erfassen einen riesigen Dynamikumfang, der direkt aus der Kamera sehr flach und klinisch wirkt. Film hat meist von Natur aus mehr Kontrast in den Mitteltönen und komprimiert die Extremwerte. Passe zuerst grob deine Belichtungsschieber an. Achte besonders auf den Weißabgleich. Wenn dein Filmscan etwas warm und magentafarben wirkt, schiebe die Regler für Temperatur und Tönung bei der digitalen Datei, bis die neutralen Töne ungefähr übereinstimmen. Mach dir noch keine Sorgen um Grün- und Rottöne; bring erst mal Grau-, Weiß- und Schwarztöne in dieselbe Nähe.
Schritt 4: Die Magie liegt in den Tonkurven
Wenn es einen heiligen Gral des Film-Looks gibt, dann findet man ihn im Tonkurven-Panel. Film hat kein echtes, reines Schwarz oder reines Weiß. Die Schatten verlaufen eher sanft ins Helle, und die Lichter rollen weich ab, statt hart abzuschneiden.
Um das nachzuahmen, willst du eine S-Kurve erstellen, aber mit abgeflachten Enden. Greife den Punkt unten links an deiner Kurve (das absolute Schwarz) und ziehe ihn leicht nach oben. Beobachte, wie die Schatten deiner digitalen Datei anheben und zu diesem milchigen, ausgebleichten Grau werden, das Film natürlich erzeugt. Dann nimm den Punkt oben rechts (das absolute Weiß) und ziehe ihn ein wenig nach unten, um die intensiven digitalen Lichter abzumildern.
Jetzt tauche in die einzelnen Rot-, Grün- und Blau-Kanäle ein. Filmsorten haben charakteristische Farbverschiebungen in den Schatten. Zum Beispiel haben Kodak-Filme oft leicht blaue oder grüne Schatten und warme, gelbe Lichter. Um das auf der Blau-Kurve zu replizieren, ziehe den unteren linken Punkt nach oben (fügt Blau in die Schatten ein) und den oberen rechten Punkt nach unten (fügt Gelb in die Lichter ein). Justiere das vorsichtig, bis das Kontrastprofil deiner digitalen Datei genau richtig wirkt.
Schritt 5: Feintuning mit HSL und Kalibrierung
Jetzt werden wir bei den Farben chirurgisch präzise. Scrolle zum HSL/Farb-Panel. Schau dir die Grüntöne in deinem Filmscan an. Digitale Grüntöne sind meist sehr gesättigt und wirken fast neon- oder plastikartig. Filmgrün ist meist etwas in Richtung Gelb verschoben und entsättigt. Schiebe den Grün-Farbton-Regler nach links (in Richtung Gelb) und reduziere die Sättigung.
Filmhimmel sehen oft auch anders aus. Je nach Scanner tendieren die Blautöne eher zu einem Türkis- oder Cyan-Farbton statt zu einem tiefen, königlichen Digitalblau. Schiebe den Blau-Farbton-Regler nach links in Richtung Cyan und passe die Helligkeit an, sodass der Himmel dicht wirkt, aber nicht künstlich leuchtend. Spiele mit den Orange- und Rot-Reglern, um die Hauttöne deines Motivs zu treffen.
Profi-Tipp: Spring ganz unten im Lightroom-Fenster zum Kalibrierungs-Panel. Eine Erhöhung der Sättigung des blauen Primärtons und eine leichte Verschiebung seines Farbtons nach rechts ist ein bekannter Trick, um warme Hauttöne von kühlen Hintergründen zu trennen – so wie es traditioneller Farbnegativfilm macht.
Schritt 6: Weichzeichnen und Halation
Bis jetzt sollten die Farben praktisch identisch sein. Aber deine digitale Datei wird sich trotzdem „falsch“ anfühlen, weil moderne digitale Objektive einfach zu scharf und makellos sind. Film hat Körnung, Textur und eine leichte Weichheit.
Gehe zum Effekte-Panel. Füge Körnung hinzu. Ein guter Ausgangspunkt für einen 400 ISO Film-Look ist eine Körnungsmenge von 30, Größe 40 und Rauheit um 50. Sie soll sichtbar, aber nicht überwältigend sein. Gehe auch zurück zum Präsenz-Panel und ziehe die Regler für Textur und Klarheit um etwa -5 bis -10 herunter. Das nimmt der digitalen Datei die harte, klinische Schärfe und simuliert das natürliche Lichtleuchten und die Weichheit einer analogen Emulsion.
Schritt 7: Speichere deine Arbeit
Wenn du dich zurücklehnst und deine Bearbeitung an- und ausschaltest, sollte sie fast nicht von deinem Filmscan zu unterscheiden sein. Gehe jetzt zum Presets-Panel, klicke auf das Plus-Symbol und speichere das Preset. Nenne es zum Beispiel „Mein Noritsu Portra 400“, damit du genau weißt, von welchem Scanner und Film es stammt. Das Beste daran? Weil du es selbst von Grund auf gebaut hast, verstehst du tatsächlich, wie die Regler zusammenwirken, was das Nachjustieren bei zukünftigen Aufnahmen unter anderen Lichtbedingungen viel einfacher macht.
Wenn du diesen hybriden Ansatz in der Fotografie liebst – digital fotografieren, aber eine analoge Seele anstreben – kannst du deine Presets sogar noch besser machen, indem du deine Ausrüstung variierst. Alte Objektive an digitale Kameras anzupassen, ist mein Lieblings-Trick. Ein altes 50mm-Objektiv, offenblendig fotografiert, erzeugt von Natur aus die niedrig-kontrastige Halation und den sanften Fokusabfall, den wir sonst in Lightroom nachahmen müssen. Es macht die halbe Arbeit, bevor das Licht überhaupt den Sensor erreicht. Egal, ob du einige schöne manuelle Objektive adaptieren möchtest oder dein aktuelles Setup mit einer der vielen leistungsfähigen spiegellosen Kameras aufrüsten willst, die als digitale Testplattform dienen, Old Cams by Jens hat jede Menge Ausrüstung, um dein hybrides Kit perfekt auszubalancieren.
Deine eigenen Presets zu erstellen, geht nicht nur darum, Geld zu sparen; es geht darum, die Kontrolle über dein endgültiges Bild zu übernehmen. Hab Geduld, halte deine Filmscans als Referenz bereit und nimm dir die Zeit, die Farben wirklich zu studieren. Viel Spaß beim Anpassen!