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Wie man digitale RAW-Dateien so bearbeitet, dass sie wirklich wie klassischer Film aussehen

von Jens Bols 0 Kommentare
How to Edit Digital RAW Files to Actually Look Like Classic Film - OldCamsByJens

Ich liebe meine Filmkameras absolut. Es gibt nichts Vergleichbares zum mechanischen Klacken einer Vintage-Spiegelreflexkamera oder der Spannung, eine Woche auf die Scans der Negative zu warten, die im Posteingang landen. Aber mal ehrlich – das Fotografieren mit Film ist unglaublich teuer geworden. So sehr ich auch gerne Kodak Portra ganz entspannt bei meinen täglichen Spaziergängen verwenden würde, mein Bankkonto sieht diesen Lifestyle ganz anders. Also, wie viele Analog-Liebhaber, fotografiere ich oft digital.

Wenn du so bist wie ich, schaust du dir wahrscheinlich diese super sauberen, klinisch scharfen digitalen RAW-Dateien an, die direkt von deiner modernen Kamera importiert wurden, und denkst, dass sie einfach ein bisschen leblos wirken. Digitale Sensoren sind darauf ausgelegt, perfekt zu sein. Sie erfassen jeden Mikro-Kontrast, jedes Schattendetail und jede genaue Farbtemperatur mit brutaler Ehrlichkeit. Film hingegen ist wunderbar unperfekt.

Die gute Nachricht? Du kannst diese Lücke definitiv überbrücken. Mit etwas gezielter Bearbeitung in Lightroom, Capture One oder welcher Software du auch immer nutzt, kannst du deine digitalen Dateien dazu bringen, sich viel mehr wie deine Lieblings-Analogfilme zu verhalten. Es erfordert etwas mehr Überlegung als einfach nur ein zufälliges Vintage-Preset über ein schlecht belichtetes Foto zu legen, aber wenn du die Grundprinzipien verstanden hast, wird es zur zweiten Natur.

Es beginnt tatsächlich mit dem Glas

Bevor wir auch nur einen Regler in der Software anfassen, müssen wir darüber sprechen, wie das Bild aufgenommen wird. Moderne digitale Objektive sind phänomenal scharf von Ecke zu Ecke und haben spezielle Beschichtungen, um Reflexionen und Geisterbilder zu eliminieren. Klassische Filmfilme wurden historisch durch Objektive aufgenommen, die etwas Charakter hatten – das heißt, sie erzeugten schöne Flares, verloren an den Rändern etwas Schärfe und blühten manchmal um helle Lichtquellen herum.

Wenn du wirklich möchtest, dass deine digitalen Dateien wie Film aussehen, ist der beste Trick, keine modernen Objektive mehr zu verwenden. Ein älteres Objektiv an deine moderne spiegellose oder DSLR-Kamera anzupassen, nimmt dem digitalen Bild sofort die Schärfe. Du bekommst die organische Farbwiedergabe, den etwas weicheren Kontrast und das traumhafte Bokeh, das Software nur schwer perfekt nachahmen kann. Es gibt deinen RAW-Dateien eine analoge Grundlage zum Weiterarbeiten.

Belichtung und Dynamikumfang meistern

Es gibt einen grundlegenden Unterschied darin, wie Film und digitale Sensoren Licht verarbeiten. Digitale Sensoren erfassen Details in den Schatten meist unglaublich gut, schneiden aber in den Lichtern sehr stark ab. Sobald ein heller Himmel auf einem digitalen Sensor zu reinem Weiß ausbrennt, ist diese Information für immer verloren. Negativfilm funktioniert genau umgekehrt. Er behält unglaubliche Details in den hellen Lichtern, aber wenn du unterbelichtest, werden die Schatten schnell zu matschigem, körnigem Nichts.

Wenn du eine RAW-Datei so bearbeitest, dass sie wie Film aussieht, möchtest du diesen analogen Dynamikumfang nachahmen. Fang damit an, deine digitalen Lichter abzusenken, um Himmel und helle Stellen zurückzugewinnen und so zu simulieren, wie Negativfilm sanft in den Lichtern ausläuft. Hebe dann die Schatten leicht an. Nicht zu viel – du willst kein flaches HDR-Bild –, aber genug, um zu simulieren, wie Negative extreme Kontrastszenen ausbalancieren.

Das Geheimnis liegt in der Tonkurve

Wenn du dir nur einen Tipp aus diesem ganzen Guide mitnehmen solltest, dann diesen: Die Tonkurve zu meistern ist das absolute Geheimnis, um den Filmlook zu erreichen.

Film erzeugt sehr selten ein reines, absolutes Schwarz oder ein blendend reines Weiß. Je nachdem, wie er entwickelt und gescannt wird, sind die dunkelsten Stellen eines Filmfotos meist ein tiefes, milchiges Grau. Die hellsten Weißtöne sind oft leicht gedämpft oder cremefarben. Deine Digitalkamera hingegen liefert gerne reines Schwarz und reines Weiß.

Um das zu korrigieren, musst du eine klassische Fade-Kurve bauen. Öffne deine Tonkurve und greife den Punkt ganz unten links – dieser steuert dein tiefstes Schwarz. Ziehe ihn entlang der linken Kante ein kleines Stück nach oben. Du wirst sofort bemerken, wie die tiefsten Schatten in deinem Bild ausgewaschen und matt wirken. Das nennt man „Blacks crushen“ oder „Schwarz ausbleichen“ und es schreit sofort nach Vintage-Fotografie. Greife dann den Punkt ganz oben rechts – deine Weißtöne – und ziehe ihn leicht nach unten. So werden die harten Weißtöne weicher und cremiger.

Füge schließlich drei Punkte in der Mitte der Kurve hinzu und forme eine sanfte S-Kurve. Ziehe den Schattenbereich leicht nach unten und schiebe den Lichterbereich leicht nach oben. So bekommst du den Mitteltonekontrast zurück, den du durch das Ausbleichen der Extreme verloren hast.

Farbkorrektur: Portra, Superia und Gold nachahmen

Wenn deine Tonwerte stehen, ist es Zeit, die Farbe anzugehen. Filmfilme sind berühmt für ihre einzigartigen Farbverschiebungen. Du willst hier keine perfekte Weißabgleichung, sondern eine bestimmte Stimmung erzeugen. Der Farb-Mixer oder das HSL-Panel werden deine besten Freunde sein.

  • Für den Kodak Portra 400 Look: Portra ist berühmt für seine warmen, leicht goldenen Töne und die unglaubliche Hautwiedergabe. Verschiebe deinen Gesamtweißabgleich in Richtung wärmer. Im HSL-Panel schiebe deine Grüntöne leicht in Richtung Gelb, um dem Laub diesen klassischen gedämpften Look zu geben, und verringere sanft die Sättigung deiner Blautöne.
  • Für den Fujifilm Superia Look: Fuji-Konsumfilme haben oft ein etwas kühleres, körnigeres Gefühl mit ikonischen Grüntönen und kräftigen Rottönen. Verschiebe deine Grüntöne in Richtung kühleres Cyan, erhöhe den Magenta-Ton leicht und lasse die Rottöne stark gesättigt.
  • Für den Kodak Gold Vibe: Kodak Gold ist nostalgischer Sonnenschein in einer Dose. Du willst starke Gelb- und Orangetöne in den Lichtern. Erhöhe die Leuchtkraft deiner warmen Farben, damit sie hell und luftig wirken, und wärme die Mitteltöne deutlich auf.

Korn: Weniger ist meistens mehr

Es ist unglaublich verlockend, im Effekte-Panel den Korn-Regler auf hundert zu drehen. Tu es nicht. Digitales Korn sieht oft wie digitales Rauschen aus, wenn man nicht aufpasst. Echtes Filmkorn ist organisch; die Klumpen aus Silberhalogenidkristallen variieren in der Größe und sind in den Mitteltönen stärker ausgeprägt als in den reinen Lichtern oder tiefsten Schatten.

Wenn du Korn zu einer RAW-Datei hinzufügst, halte die Menge moderat, erhöhe aber leicht die Rauheit und Größe. Du willst, dass die Textur sich wie ein Teil des Bildes anfühlt, nicht wie eine verschwommene Schicht darübergelegt. Wenn deine Bearbeitungssoftware es erlaubt, die Kornverteilung zu steuern, versuche, es in den hellsten Bildbereichen etwas einzuschränken.

Das physische Element hinzufügen

Software kann dich nur so weit bringen. Wie ich schon erwähnt habe, ist die Kombination aus digitalen Kameras und Vintage-Zubehör das ultimative Hybrid-Setup. Die Art, wie Licht physisch in die Kamera fällt, verändert alles am Ausgangspunkt deiner RAW-Datei.

Wenn du es wirklich ernst meinst mit diesem nostalgischen Look direkt aus der Kamera, um deine Bearbeitung zu erleichtern, solltest du wirklich in Erwägung ziehen, dein modernes klinisches Objektiv gegen ein älteres zu tauschen oder eine kleine Anpassung an deiner Ausrüstung vorzunehmen. Ein vintage manuelles Objektiv an deine spiegellose Kamera anzupassen, mildert sofort deinen Kontrast und schenkt dir diese wunderschönen, organischen Lensflares. Alternativ kann ein vintage Glasfilter wie ein subtiler Diffusions- oder Warmfilter vor deinem aktuellen digitalen Objektiv Halation perfekt nachahmen und die harten digitalen Lichter schon vor dem Sensor weichzeichnen.

Digitale Bilder so zu bearbeiten, dass sie wie Film aussehen, geht nicht darum, Menschen perfekt zu täuschen. Es geht darum, ein Gefühl einzufangen. Fotografie soll Spaß machen, berühren und persönlich sein. Nimm diese grundlegenden technischen Tricks, passe sie an deinen eigenen Stil an und hör auf, dir über pixelperfekte Schärfe Sorgen zu machen. Schnapp dir deine Kamera, jage dem guten Licht hinterher und genieße den Prozess.

This article is translated from English. If there are any mistakes in the translation, please view the English original here .
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