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Wie man Personen anleitet, die sich normalerweise vor der Kamera unwohl fühlen

von Jens Bols 0 Kommentare
How to Direct Subjects Who Usually Feel Awkward in Front of a Camera - OldCamsByJens

Seien wir mal ehrlich. Eine große Kamera, die direkt auf dein Gesicht gerichtet ist, ist eine von Natur aus seltsame, unnatürliche Erfahrung. Für die meisten Menschen, die keine professionellen Models oder Schauspieler sind, vergessen sie in dem Moment, in dem eine Linse auf sie gerichtet wird, plötzlich, wie sie stehen sollen, wohin sie ihre Hände legen und wie sie einen normalen menschlichen Gesichtsausdruck machen. Wir alle haben dieses panische, eingefrorene Lächeln schon gesehen. Als Fotografen ist es so unglaublich einfach, sich in unseren Blendenringen und Belichtungsmessern zu verlieren und dabei völlig zu vergessen, dass unser Gegenüber innerlich schreit.

Ich bin fest davon überzeugt, dass es mindestens achtzig Prozent der Arbeit beim Porträtshooting ausmacht, dass sich dein Motiv wohlfühlt. Wenn sie sich unwohl fühlen, sehen sie auch so aus. Kein perfektes Licht zur goldenen Stunde, kein teurer Film und kein unglaublich scharfes Vintage-Objektiv kann eine steife, verängstigte Haltung ausgleichen. Früher hatte ich damit oft Probleme, als ich anfing, Porträts von meinen Freunden zu machen. Ich sagte einfach: „Verhalte dich natürlich“, was ehrlich gesagt die schlechteste Anweisung ist, die man jemandem geben kann.

Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass es meine Aufgabe als Fotograf ist, sie aus dieser Nervosität herauszuführen. Du musst ihnen die mentale Last von den Schultern nehmen. Hier ist genau, wie ich Menschen anleite, die sich vor der Kamera normalerweise sehr unwohl fühlen, ohne dass die ganze Erfahrung sich wie ein schmerzhafter Zahnarztbesuch anfühlt.

Starte ohne die Kamera in der Hand

Der größte Fehler ist, direkt auf dein Motiv zuzugehen, sofort die Kamera ans Auge zu heben und sofort Magie zu erwarten. Das schafft sofort eine seltsame Macht-Dynamik, bei der du der Beobachter bist und sie ein Objekt unter dem Mikroskop. Bevor du auch nur einen einzigen Rahmen schießt, bleib einfach erst mal ein bisschen da.

Ich trinke vorher gerne zusammen einen Kaffee oder wir laufen zehn Minuten am Aufnahmeort herum. Rede über ihre Woche, lache über einen Film, den ihr beide gesehen habt, oder beschwert euch einfach über das Wetter. Lass sie dich zuerst als normalen Menschen sehen. Ich lasse meine Kamera dabei offen an meinem Kameragurt hängen oder lege sie auf den Tisch, während wir reden. Wenn ich dann die Kamera tatsächlich anhebe, ist das Eis gebrochen. Die Stimmung ist gesprächig, nicht aufgesetzt.

Hör auf, Leute zum Lächeln aufzufordern

Jemandem, der schon nervös ist, zu sagen, er soll einfach lächeln, führt fast immer zu einem falschen, angespannten Grinsen. Es aktiviert die Muskeln um den Mund, lässt aber die Augen leer und weit geöffnet wirken.

Statt nach einem Lächeln zu fragen, solltest du eine echte Reaktion auf natürliche Weise hervorrufen. Wenn ich möchte, dass jemand wirklich lacht, sage ich manchmal etwas völlig Absurdes oder erzähle einen schrecklichen, trockenen Papa-Witz. Manchmal bitte ich sie einfach, mir ihren ernstesten, intensivsten Mode-Blick zu zeigen. Meistens versuchen sie das, fühlen sich dabei total lächerlich und brechen sofort in ein echtes, entspanntes Lachen aus. Genau in diesem Moment, wenn sie aus der Rolle fallen, drücke ich ab. Dort passieren all die echten, schönen Mikro-Ausdrücke.

Behebe das uralte Hand-Problem

Ernsthaft, Hände sind die Hauptursache für unbeholfene Porträts. Wenn wir auf den Bus warten, hängen unsere Arme ganz normal, aber sobald eine Kamera rauskommt, werden Hände zu unbeholfenen, fremdartigen Anhängseln, mit denen niemand etwas anzufangen weiß. Gib ihren Händen eine Aufgabe. Das ist der älteste Trick in der Fotografie, aber er funktioniert jedes Mal. Hier ein paar einfache Möglichkeiten, den Händen eine Aufgabe zu geben:

  • Bitte sie, einen Gegenstand zu halten, wie eine Kaffeetasse, eine Sonnenbrille oder ein Buch.
  • Lass sie mit einem Kleidungsstück interagieren, zum Beispiel den Kragen sanft richten, die Jackenrevers halten oder auf die Uhr schauen.
  • Sag ihnen, eine Hand in die Tasche zu stecken, aber darauf zu achten, dass der Daumen locker rausschaut, damit es nicht aussieht, als hätten sie eine Hand verloren.
  • Bitte sie, langsam mit der Hand durch die Haare zu fahren oder den Riemen ihrer Tasche zu halten.

Wenn die Hände eine physische Aufgabe haben, hört das Gehirn auf, sich darüber Sorgen zu machen, und die Haltung des Oberkörpers entspannt sich ganz natürlich.

Gib Szenarien und Bewegungen vor, keine spezifischen Posen

Wenn du zu genau anleitest, zum Beispiel: „Heb dein Kinn ein bisschen an, verlagere dein Gewicht und neig deinen Körper leicht nach rechts“, verliert dein Motiv jede natürliche Anmut. Sie werden zu Robotern, die versuchen, Computercode auszuführen. Konzentriere dich lieber auf allgemeine Bewegungen.

Bitte sie, langsam auf dich zuzugehen, als würden sie versuchen, unbemerkt von einer langweiligen Party zu schleichen. Sag ihnen, sie sollen sich abwenden, tief durchatmen und beim Ausatmen über die Schulter zu dir zurückblicken. Lass sie sich drehen und die Schultern fallen lassen. Bewegung zwingt den Körper, sich neu zu ordnen und bricht die Steifheit. Selbst wenn das finale Foto ein statisches Porträt sein soll, sorgt Bewegung kurz davor für eine dynamische und natürliche Haltung statt steif und erzwungen.

Sprich ständig während des Shootings

Tote Stille ist für ein Porträtmotiv furchteinflößend. Wenn du zwanzig Sekunden lang nur durch den Sucher starrst und an deinem Verschlusszeitenrad drehst, wird ihr innerer Monolog schreien, wie schrecklich sie wohl aussehen.

Du musst laut aussprechen, was passiert. Gib ihnen ständig positive Bestärkung. Sag Dinge wie: „Ja, genau so ist es perfekt“ oder „Halt diese Pose, das Licht steht dir fantastisch.“ Wenn du eine Sekunde brauchst, um eine Belichtungseinstellung zu ändern, sag es einfach: „Entspann dich weiter, ich stelle nur schnell die Blende ein. Okay, perfekt, sieht super aus.“ Sei ihr Motivator. Wenn sie denken, dass sie das Shooting total rocken, werden sie sich automatisch viel selbstbewusster halten.

Die Kamera, die du wählst, verändert die Stimmung

Glaub es oder nicht, die Ausrüstung beeinflusst stark, wie eingeschüchtert sich dein Motiv fühlt. Eine riesige moderne Digitalkamera mit einem riesigen Zoomobjektiv wirkt schwer und professionell, kann aber dazu führen, dass sich Menschen stark beobachtet fühlen. Deshalb liebe ich es, Porträts mit Vintage-Ausrüstung zu machen.

Ältere Kameras sind tolle Gesprächsstarter. Wenn ich eine alte Mittelformatkamera mit zwei Objektiven herausziehe, ist das Motiv meist wirklich fasziniert. Weil ich in einen Sucher auf Taillenhöhe schaue, statt ein riesiges Glas direkt in ihre Augen zu halten, ist die Barriere zwischen uns komplett weg. Ich kann ihnen über die Kamera hinweg in die Augen schauen, während wir reden.

Auch eine kleine Vintage-Rangefinder- oder Kompaktkamera wirkt viel weniger bedrohlich. Sie fühlt sich eher an wie ein Freund, der auf einem Wochenend-Roadtrip lockere Schnappschüsse macht. Je entspannter dein Setup wirkt, desto entspannter wird sich dein Motiv verhalten.

Abschluss und Ausrüstungs-Check

Am Ende des Tages gib deinen Motiven einfach ein bisschen Nachsicht. Sprich die Seltsamkeit offen an. Lass sie wissen, dass es total normal ist, wenn sie sich in den ersten fünf Minuten unwohl fühlen. Den Elefanten im Raum zu benennen, nimmt den Druck raus.

Wenn du deine persönlichen Porträtsessions von Anfang an deutlich weniger einschüchternd gestalten möchtest, solltest du vielleicht dein riesiges Teleobjektiv gegen etwas Eleganteres und Freundlicheres tauschen. Ein einfaches Festbrennweiten-Objektiv macht dein gesamtes Equipment viel kleiner und weniger aggressiv, zwingt dich, physisch näher heranzugehen und direkter mit deinem Motiv zu interagieren. Du kannst auch überlegen, dein Equipment so zu stylen, dass es wie ein cooles persönliches Accessoire aussieht und nicht wie einschüchternde Profi-Maschine. Wenn du dein Equipment ändern möchtest, schau dir unsere manuellen 50mm-Objektive an, die wir aktuell auf Lager haben, oder stöbere durch unsere bequemen Kameragurte, um dein Equipment zugänglich und einfach zu tragen zu halten. Die technische Einschüchterung aus dem Prozess zu nehmen, ist wirklich der beste Weg, um die echte Persönlichkeit deines Motivs zum Strahlen zu bringen.

This article is translated from English. If there are any mistakes in the translation, please view the English original here .
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