Wie man eine 120er Filmrückwand lädt: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Hasselblad- und Mamiya-Nutzer
Ich erinnere mich noch genau an das erste Mal, als ich eine Hasselblad 500C/M in der Hand hielt. Ich war vor Aufregung fast am Vibrieren, aber auch völlig verängstigt, den Filmladevorgang zu vermasseln. Wenn man aus der 35mm-Welt kommt, sieht 120er-Film irgendwie aus wie ein außerirdisches Artefakt. Es gibt keine kleine, ordentliche Metallkassette. Es gibt keinen einfachen Schlitz, in den man den Filmstreifen blind hineinschieben kann, bevor man die Kameratür zuschlägt. Es ist einfach eine Rolle Papier, ein paar Kunststoffspulen und jede Menge Raum für Fehler – zumindest fühlt es sich am ersten Tag so an.
Aber ehrlich? Sobald man es ein paar Mal gemacht hat, wird das Laden eines Mittelformat-Filmrückteils zur zweiten Natur. Es wird zu einer der haptisch befriedigendsten Routinen in der analogen Fotografie. Diese mechanische Abfolge von Aufwickeln, Klicken und Vorschieben lässt jeden in diese schweren Vintage-Klötze verlieben. Heute gehen wir gemeinsam durch, wie man ein 120er-Filmrückteil lädt, mit besonderem Fokus auf die zwei großen Klassiker der Vintage-Welt: das Hasselblad A12-System und die Mamiya RB67/RZ67-Rückteile. Schnapp dir eine Testrolle, atme tief durch, und lass es uns zusammen herausfinden.
Der Zauber modularer Filmrückteile
Bevor wir ins Detail gehen, sprechen wir darüber, warum diese Filmrückteile so unglaublich cool sind. Wenn du mit einer 35mm-Kamera fotografierst, bist du an den Film gebunden, der gerade in der Kamera ist, bis du Bild 36 erreicht hast. Wenn du einen ISO 100 Farbfilm geladen hast und dann ins Innere gehst, hast du quasi Pech gehabt. Mittelformatkameras wie das Hasselblad V-System und die Mamiya RB67 verwenden modulare Rückteile, das heißt, der Film befindet sich in einer abnehmbaren Box auf der Rückseite der Kamera. Du kannst drei verschiedene Rückteile in deiner Tasche haben – eines mit Schwarzweißfilm, eines mit Farbnegativ und eines mit Diafilm – und sie mitten in der Rolle tauschen, ohne auch nur ein Bild zu ruinieren. Das ist ein echter Gamechanger für kreative Freiheit.
Grundlagen des 120er-Films verstehen
Wenn du bisher nur 35mm fotografiert hast, musst du verstehen, wie 120er-Film aufgebaut ist, bevor du versuchst, ihn zu laden. Hier gibt es keine Kassette. Der Film ist buchstäblich nur ein langer Emulsionsstreifen, der auf einen längeren, undurchsichtigen Trägerpapierstreifen geklebt ist. Alles ist eng um eine Kunststoffspule gewickelt.
Da es keine Kassette gibt, ist die Spule, mit der du eine 120er-Filmrolle begonnen hast, am Ende komplett leer. Diese leere Spule wird dann zur Aufwickelspule für deine nächste Rolle. Du wirst also immer eine leere Spule von einer Seite des Filmeinsatzes zur anderen bewegen. Außerdem sind Lichtlecks der Feind des 120er-Films. Das Einzige, was die Sonne davon abhält, deine Fotos zu ruinieren, ist, wie fest das Papier um die Spule gewickelt ist. Halte beim Umgang mit dem Film immer deinen Daumen fest gegen die Filmrolle, damit sie sich nicht wie eine Schlange aus einer Witzerdose entfaltet.
Wie man ein Hasselblad A12 Filmrückteil lädt
Das Hasselblad A12 ist wohl das berühmteste Filmrückteil der Welt. Es sieht unglaublich elegant aus, aber der Ladeweg ist ein seltsames kleines Labyrinth. Verlass dich beim ersten Mal nicht auf dein Gedächtnis, sondern folge diesen Schritten.
- Entferne den Einsatz: Klappe den kleinen D-Ring-Schlüssel auf der rechten Seite des Filmrückteils aus, drehe ihn gegen den Uhrzeigersinn und ziehe den gesamten Einsatz gerade heraus.
- Bewege die leere Spule: Nimm die leere Spule von deiner letzten Rolle und setze sie in die untere Position (die Aufwickelseite) des Einsatzes ein.
- Lade die frische Rolle: Schnappe deine neue 120er-Filmrolle in die obere Position. Achte darauf, dass der Papieranfang zum hinteren Teil des Einsatzes zeigt.
- Führe den Film ein: Ziehe den Papieranfang über die obere Rolle und führe ihn unter die flache Metallklammer auf der Rückseite des Einsatzes. Dabei muss die schwarze Seite des Papiers (die Seite, auf der sich der Film befindet) nach außen zeigen. Wenn du die farbige Seite mit dem Branding und den Grafiken auf der Rückplatte siehst, hast du ihn verkehrt herum geladen.
- Führe die Aufwickelspule ein: Ziehe das Papier um die untere Rolle und stecke die Spitze des Filmanfangs in den Schlitz deiner leeren Aufwickelspule.
- Richte die Pfeile aus: Drehe vorsichtig den geriffelten Knopf an der Seite des Einsatzes, um den Film aufzuwickeln. Drehe weiter, bis der dicke Startpfeil auf dem Trägerpapier perfekt mit dem roten Dreieck an der Seite des Einsatzes übereinstimmt. Das ist der wichtigste Schritt!
- Verriegele alles: Schiebe den Einsatz zurück in das Gehäuse, drücke den D-Ring-Schlüssel hinein und drehe ihn im Uhrzeigersinn, um ihn zu verriegeln. Klappe schließlich die Aufziehkurbel an der Seite des Gehäuses aus und drehe sie kontinuierlich, bis sie bei Bild Nummer 1 physisch stoppt. Du bist bereit zum Fotografieren!
Wie man ein Mamiya RB67 / RZ67 Filmrückteil lädt
Die Mamiya-Rückteile funktionieren nach einem sehr ähnlichen Prinzip, sind aber etwas klobiger und haben einen geraden Filmweg statt des gewundenen Labyrinths der Hasselblad. So meisterst du die Mamiya.
- Öffne das Rückteil: Je nach Modell drückst du zwei kleine Laschen oder drückst einen Hebel, um das Rückteil zu öffnen. Entferne den Einsatz vollständig.
- Bewege die leere Spule: Wie bei der Hasselblad nimmst du die leere Spule und setzt sie auf die Aufwickelseite. Schnappe deine frische Rolle auf die Zuführseite.
- Führe das Papier ein: Ziehe den Filmanfang direkt über die Rückseite der Druckplatte. Die schwarze Seite sollte die Metallplatte berühren, das heißt, die gebrandete Seite zeigt zu dir. Das ist das Gegenteil von der Hasselblad!
- Führe die Aufwickelspule ein: Stecke den Filmanfang fest in den Schlitz deiner leeren Spule.
- Richte die Startmarkierung aus: Rolle mit deinem Daumen das Zahnrad an der Seite des Einsatzes manuell, bis die Pfeile auf dem Trägerpapier deines Films mit dem roten oder weißen Startpunkt am Einsatz übereinstimmen. Halte die Spannung mit deinem Daumen straff, damit das Papier nicht schlaff wird.
- Schließe und spule vor: Setze den Einsatz zurück in das Außengehäuse, schließe die Tür und benutze den Aufzugshebel der Kamera, um zu spulen, bis der Zähler auf „1“ steht. Fertig.
Drei goldene Regeln für Mittelformat-Anfänger
Egal für welches System du dich entscheidest, es gibt ein paar Dinge, die jeder Mittelformat-Fotograf irgendwann auf die harte Tour lernt. Erstens: Lade deinen Film immer im Schatten. Direktes Sonnenlicht kann leicht über die Ränder des Trägerpapiers kriechen und die Ränder deines Films belichten. Wenn du keinen Schatten findest, dreh dich einfach mit dem Rücken zur Sonne und wirf mit deinem Körper einen Schatten über die Kamera.
Zweitens: Verliere deine Dunkelschieber nicht! Du kannst ein Filmrückteil nicht vom Kameragehäuse entfernen, wenn der Sicherheit-Dunkelschieber nicht ganz eingeschoben ist. Das ist ein genialer Sicherheitsmechanismus, damit du deinen Film nicht versehentlich dem Licht aussetzt. Wenn du deinen Dunkelschieber aber auf einer Wiese verlierst, kannst du die Rückteile nicht tauschen, bis du ihn wiederfindest.
Und schließlich: Bewahre den kleinen Aufkleber auf, der deine frische Rolle umwickelt! Die meisten modernen 120er-Filme haben am Ende der Rolle einen Klebestreifen, den du ablecken oder abziehen kannst, um die Rolle nach dem Fotografieren zu versiegeln. Wenn du die Rolle in deiner Tasche fest verschlossen hältst, vermeidest du „fette Rollen“ und schützt deine wertvollen Aufnahmen vor Lichtlecks auf dem Heimweg.
Bist du bereit, dein Vintage-Equipment zu erweitern?
Der Umstieg auf Mittelformat bedeutet meist, dass du ein paar solide Zubehörteile brauchst, um das Beste aus deinen riesigen Negativen herauszuholen. Da diese älteren modularen Kameras komplett manuell bedient werden, ist ein zuverlässiger Handbelichtungsmesser fast ein Muss. Wenn du dir ein verlässliches Setup gönnen möchtest oder frische Optionen für deine Ausrüstungstasche suchst, empfehle ich dir, bei Old Cams by Jens nach Belichtungsmessern zu suchen oder neue Mittelformatkameras auszusuchen. Dort gibt es einen hervorragenden, handgeprüften Bestand, der dir das Vintage-Kaufen erleichtert. Viel Spaß da draußen, halte deinen Film fest gewickelt und genieße diese großen, wunderschönen Negative!