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35mm vs. 120 für Porträts: Gibt es den „Mittelformat-Look“ wirklich?

von Jens Bols 0 Kommentare
35mm vs. 120 for Portraits: Does the "Medium Format Look" Really Exist? - OldCamsByJens

Wenn Sie schon einmal Zeit damit verbracht haben, Porträtfotografie online anzuschauen, kennen Sie dieses genaue Gefühl. Sie scrollen durch Ihren Feed, und plötzlich hält Sie ein Foto mitten im Lauf an. Das Motiv wirkt fast dreidimensional, hebt sich mühelos von einem Hintergrund ab, der in sanfte, cremige Farben verschwimmt. Der Übergang von scharf zu unscharf ist unglaublich subtil. Sie schauen sich die Bildunterschrift an: Mamiya RB67 oder vielleicht eine Hasselblad, aufgenommen auf Portra 400 oder Ilford HP5. Natürlich. Es ist diese berüchtigte Mittelformat-Magie.

Aber wenn Sie Ihre treue 35mm Spiegelreflexkamera nehmen, denselben Film einlegen und ein Porträt Ihres Freundes machen, sieht es einfach nicht gleich aus. Es wirkt körnig, der Hintergrund fällt nicht so drastisch ab, und das Motiv hat nicht dieses markante, vom Bild abhebende Gefühl.

Das führt zu einer der heiß diskutierten Fragen in der Filmfotografie: Existiert der „Mittelformat-Look“ wirklich, oder ist das nur elitärer Hype? Und noch wichtiger: Braucht man wirklich 120er Film, um ein wunderschönes Porträt zu machen?

Die Physik hinter der Magie

Okay, lassen Sie uns zuerst das Nerdige klären. Wenn Fotografen vom Mittelformat-Look sprechen, meinen sie nicht nur eine vage künstlerische Stimmung. Es gibt tatsächlich physikalische Gründe, warum ein 6x7-Negativ völlig anders aussieht als ein Standard-35mm-Negativ.

Es hängt von der Beziehung zwischen der physischen Größe des Films, der Brennweite des Objektivs und Ihrem Abstand zum Motiv ab. Angenommen, Sie fotografieren mit einem klassischen 35mm-Setup und einem 50mm-Objektiv. Um ein schönes Kopf-und-Schulter-Porträt zu machen, stehen Sie vielleicht vier oder fünf Fuß vom Motiv entfernt. Dieselbe Bildgestaltung bei einer 6x6-Mittelformatkamera erfordert ein 80mm-Objektiv.

Hier passiert die Magie: Ein 50mm-Objektiv an einer 35mm-Kamera und ein 80mm-Objektiv an einer 6x6-Kamera bieten ungefähr dasselbe Sichtfeld. Aber ein 80mm-Objektiv ist mechanisch immer noch ein 80mm-Objektiv. Es hat von Natur aus eine geringere Schärfentiefe und komprimiert den Hintergrund stärker als ein 50mm-Objektiv. So erhalten Sie die angenehme, verzerrungsfreie Bildgestaltung eines normalen Sichtfelds, kombiniert mit der intensiven Hintergrundunschärfe und Kompression, die normalerweise Teleobjektiven an 35mm-Kameras vorbehalten ist.

Das ist der Kern des Mittelformat-Looks. Sie stellen sich das nicht nur ein. Weil Sie längere Brennweiten verwenden müssen, um eine Standard-Bildgestaltung zu erreichen, erzeugen größere Filmformate von Natur aus eine klarere Trennung des Motivs.

Sanfte Töne und verschwindendes Korn

Neben der Schärfentiefe spielt auch die schiere Größe des Negativs eine Rolle. Ein Standard-6x7-Mittelformatnegativ ist über viermal so groß wie ein 35mm-Bild. Wenn Sie ein Porträt auf 120er Film aufnehmen, erfassen Sie eine enorme Menge an Details und Lichtinformationen.

Wenn Sie sowohl ein 35mm-Negativ als auch ein Mittelformatnegativ scannen und sie auf Ihrem Bildschirm oder an der Wand in exakt derselben Größe betrachten, muss das 35mm-Bild deutlich stärker vergrößert werden. Dadurch wird das Filmkorn vergrößert, das sich in den Schatten sammeln kann und die Übergänge zwischen Licht und Schatten etwas abrupter wirken lässt.

Beim 120er Film muss das Negativ für die Standardbetrachtung kaum vergrößert werden. Die Körnung ist unglaublich fein, fast unsichtbar, je nach verwendetem Film. Wie das Licht auf einem Mittelformat-Porträt sanft von der Wange in den Schatten übergeht, ist butterweich. Das schmeichelt dem Hautton ungemein und lässt Ihre Motive elegant und zeitlos wirken, ohne übermäßig geschärft oder künstlich zu wirken.

Die Intimität von 35mm-Porträts

Angesichts all dessen denken Sie vielleicht, es ist Zeit, Ihre 35mm-Kamera wegzuwerfen und Ihr Haus für ein Mittelformat-Setup zu beleihen. Tun Sie das nicht. Während größere Filmformate technische Vorteile haben, besitzt 35mm eine ganz andere Art von Magie, die für Porträts mindestens genauso kraftvoll sein kann.

Mittelformatkameras sind groß. Sie sind schwer, klobig und langsam. Wenn Sie mit einem Sucher auf Augenhöhe bei einer Zweiäugigen Spiegelreflexkamera (TLR) oder einer riesigen Studio-Spiegelreflexkamera fotografieren, ist das Bild links-rechts gespiegelt. Das einfache Einrahmen und Fokussieren erfordert Zeit und Konzentration. Das verlangsamt Sie, was für bewusst inszenierte Kunst großartig ist. Aber es verändert die Dynamik zwischen Ihnen und Ihrem Motiv komplett.

Wenn Sie jemandem ein massives Stück Metall und Glas vor die Nase halten, friert er ein. Er posiert. Er zeigt Ihnen sein „Kameragesicht“.

Eine 35mm-Kamera hingegen ist eine Verlängerung Ihres Auges. Sie ist schnell, reaktionsfreudig und intim. Sie können mit einem lachenden Freund mithalten, den Moment einfangen, in dem der Wind sein Haar ins Gesicht weht, oder einen Mikroausdruck festhalten, der in einer halben Sekunde verschwindet. Ein Porträt geht nicht nur um weiche Hintergründe; es geht darum, ein Stück der Seele einer Person einzufangen. Manchmal ist die körnige, raue, schnelle Natur von 35mm genau das, was Sie brauchen, um die Barriere zwischen Linse und Motiv zu durchbrechen.

Außerdem, sprechen wir über die Kosten. Ein Film mit 36 Aufnahmen erlaubt es Ihnen zu experimentieren. Sie können einen ungewöhnlichen Winkel ausprobieren, Ihr Motiv bewegen lassen oder Belichtungsreihen machen, ohne ständig im Kopf rechnen zu müssen, wie viel Geld Sie gerade für einen einzigen Klick ausgegeben haben. Mittelformat bietet nur 10 bis 15 Aufnahmen pro Filmrolle. Der Druck, jeden einzelnen Schuss perfekt zu machen, kann manchmal die spontane Freude am Fotografieren ersticken.

Den Look auf 35mm nachahmen

Wenn Sie die Bequemlichkeit von 35mm lieben, aber unbedingt diesen cremigen, stark separierten Look wollen, müssen Sie nicht unbedingt auf 120er Film umsteigen. Sie müssen nur in gutes Glas investieren.

Um die Hintergrundkompression und geringe Schärfentiefe des Mittelformats zu imitieren, lassen Sie Ihre 50mm- und 35mm-Objektive zu Hause. Versuchen Sie, etwas zurückzutreten und ein schnelles kurzes Teleobjektiv zu verwenden, wie ein 85mm f/1.8 oder ein 105mm f/2.5. Durch die Verwendung einer längeren Brennweite und das Fotografieren mit offener Blende komprimieren Sie den Hintergrund und isolieren Ihr Motiv vollständig, wodurch Sie diesen begehrten 3D-Effekt simulieren und gleichzeitig die Schnelligkeit einer kleineren Kamera genießen.

Das abschließende Urteil

Gibt es den Mittelformat-Look wirklich? Ja. Absolut. Physik lässt sich nicht überlisten, und die unvergleichliche Sanftheit, der Tonumfang und die geringe Schärfentiefe, die ein großes Negativ bietet, sind unverkennbar und wunderschön.

Aber heißt das, dass es der einzige Weg ist, ein gutes Porträt zu machen? Keineswegs. Einige der ikonischsten, emotional berührendsten Porträts der Geschichte wurden auf körnigem 35mm-Film aufgenommen. Das beste Format für Porträts ist nicht das mit dem größten Negativ, sondern das, das Ihnen hilft, eine Verbindung zu Ihrem Motiv herzustellen und seine Geschichte so zu erzählen, wie Sie es möchten.

Wenn Sie bereit sind, herauszufinden, was es mit dem Hype auf sich hat, wird eine größere Formatkamera Ihre Art zu fotografieren definitiv verändern. Sie können einige großartige Mittelformat-Setups entdecken, indem Sie nach einer Mamiya Kamera suchen oder andere Schwergewichte im Shop anschauen. Andererseits, wenn Sie Ihr 35mm-Equipment an seine Porträtgrenzen bringen wollen, versuchen Sie, Ihr Glas aufzurüsten. Ein schnelles Festbrennweitenobjektiv kann alles verändern, also schauen Sie sich nach einem zuverlässigen 50mm f1.4 Objektiv um, um bei Ihrem nächsten Wochenend-Shooting die Hintergründe perfekt schmelzen zu lassen.

This article is translated from English. If there are any mistakes in the translation, please view the English original here .
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