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35mm vs Mittelformat: Welches solltest du für große Abzüge verwenden?

von Jens Bols 0 Kommentare
35mm vs Medium Format: Which Should You Use for Large Prints? - OldCamsByJens

Ich erinnere mich noch genau an das erste Mal, als ich einen Mittelformat-Diafilm ans Fenster hielt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nur 35mm-Film verwendet. Ich war mit meiner kleinen Canon AE-1 vollkommen zufrieden, fotografierte meine Freunde in sonnigen Parks und scannte die Negative zu Hause ein. Aber als ich dieses riesige, detailreiche 6x7-Positiv in meiner Hand hielt, hat es meinen Verstand völlig umgehauen. Es fühlte sich an, als würde ich auf einen winzigen Fernseher schauen, nicht auf ein Stück Plastik.

Wenn man lange genug mit Film arbeitet, möchte man irgendwann seine Fotos ausdrucken. Ich meine nicht nur diese kleinen 4x6 Abzüge, die man vom Labor zurückbekommt, oder das Posten auf Instagram. Ich meine einen richtigen, großen Druck, gerahmt für die Wohnzimmerwand. Und in dem Moment, in dem man sich entscheidet, ein Foto auf 16x20 Zoll oder größer zu vergrößern, wird das Format, auf dem man fotografiert, plötzlich viel wichtiger.

Wenn dein Ziel also ist, große, schöne Abzüge zu machen, solltest du dann das Maximum aus 35mm herausholen oder ist es Zeit, den Sprung zum Mittelformat 120 Film zu wagen?

Die Physik des Filmnegativs

Um zu verstehen, wie diese Formate drucken, müssen wir über physikalischen Raum sprechen. Ein Standard-35mm-Negativ misst 24x36 Millimeter. Das entspricht ungefähr der Größe einer normalen Briefmarke. Es ist eine fantastische Größe, um 36 Aufnahmen in einem kleinen, tragbaren Kameragehäuse unterzubringen. Aber wenn du einen 16x20 Zoll großen Abzug machen möchtest, vergrößerst du dieses Negativ etwa 14-fach. Du dehnst jedes einzelne Silberhalogenid-Korn über eine große Papierfläche.

Mittelformat, das genau denselben Filmtyp, aber in größeren 120-Rollen verwendet, verändert die Rechnung komplett. Die genaue Größe des Negativs hängt von der Kamera ab, die du benutzt. Eine 6x4,5-Kamera macht ein Negativ, das fast dreimal so groß ist wie 35mm. Ein klassisches 6x6 Quadratformat (wie eine Hasselblad oder eine Yashica Mat) ist noch größer. Und ein 6x7-Negativ (wie die legendäre Pentax 67 oder Mamiya RB67) ist im Vergleich zu 35mm praktisch eine Werbetafel. Es ist mehr als viermal so groß.

Wenn du ein 6x7-Negativ auf dieselbe 16x20-Zoll-Größe vergrößerst, vergrößerst du es nur etwa 6- bis 7-fach. Weil du das Bild nicht so stark dehnst, sieht alles anders aus.

Wie groß kann man 35mm realistisch drucken?

Kann man ein 35mm-Negativ groß drucken? Absolut. Das machen Menschen seit Jahrzehnten. Aber du musst wissen, worauf du dich ästhetisch einlässt.

Wenn du 35mm über 8x10 oder 11x14 Zoll hinaus vergrößerst, wird die Körnung des Films ein sehr auffälliger Teil des Bildes. Das ist nicht unbedingt schlecht! Wenn du zum Beispiel grobkörnige Straßenfotografie auf Ilford HP5 bei ISO 1600 machst, sieht diese golfballgroße Körnung auf einem 16x20-Abzug unglaublich cool aus. Es wirkt roh, stimmungsvoll und unverkennbar analog. Die physische Textur des Films wird Teil der Kunst.

Wenn du jedoch glatte, perfekt saubere Landschaften mit messerscharfen Details in den entfernten Bäumen suchst, stößt 35mm bei größeren Formaten an seine Grenzen. Du kannst das etwas abmildern, indem du feinkörnige Profi-Filme wie Kodak Ektar 100 oder Ilford Delta 100 verwendest und ein stabiles Stativ benutzt, aber irgendwann holt dich die Physik dieses kleinen Negativs ein.

Als Faustregel für 35mm gilt:

  • 8x10 oder 8x12 Zoll: Sieht fantastisch, scharf und sauber mit fast jedem Film aus.
  • 11x14 Zoll: Der Sweet Spot für Fine-Art-35mm-Abzüge. Die Körnung ist sichtbar, aber angenehm.
  • 16x20 Zoll und größer: Du betrittst das „Charakter“-Territorium. Die Körnung ist laut und stolz, und feine Details wirken aus der Nähe deutlich weich.

Der Vorteil des Mittelformats

Hier zeigt das Mittelformat wirklich seine Stärke. Weil du mit viel mehr Fläche startest, hält 120-Film unglaubliche Detailstufen, wenn er vergrößert wird.

Wenn du einen großen Mittelformat-Abzug anschaust, fällt dir als Erstes nicht nur die Schärfe auf, sondern die Tonalität. Die Übergänge zwischen Licht und Schatten oder der sanfte Farbverlauf sind unglaublich weich. Es gibt physisch mehr Silberkörner, die diesen Farbverlauf einfangen, sodass es nicht hart oder digital wirkt. Es sieht einfach nach Realität aus.

Du kannst ein 6x7-Negativ bequem auf 24x30 Zoll oder sogar größer drucken, bevor die Körnung störend wird. Ich habe 40-Zoll-Galerieabzüge von Mittelformat-Negativen gesehen, die so realistisch wirken, dass man das Gefühl hat, man könnte direkt hineingehen.

Seitenverhältnisse und Beschnitt

Es gibt einen versteckten Faktor bei großen Drucken, der viele 35mm-Fotografen überrascht: das Seitenverhältnis.

Ein 35mm-Negativ hat ein Seitenverhältnis von 3:2. Standardmäßig vorgefertigtes Fotopapier und Rahmen passen meist nicht dazu. Der klassische 8x10-Abzug hat ein Seitenverhältnis von 4:5. Um ein 35mm-Negativ perfekt auf 8x10 oder 16x20 Papier zu drucken, musst du einen erheblichen Teil der langen Seiten deines Fotos abschneiden. Du wirfst also buchstäblich Negativfläche weg, was bedeutet, dass du den verbleibenden Teil noch stärker vergrößern musst, um das Papier zu füllen.

Mittelformat löst dieses Problem oft ganz natürlich. Ein 6x7-Negativ passt fast genau zu einem 8x10- oder 16x20-Abzug. Du kannst praktisch den gesamten Bildausschnitt nutzen. Wenn du im 6x6-Quadratformat fotografierst, kannst du auf quadratischem Papier drucken, was an der Wand unglaublich auffällig und sehr modern wirkt.

Die Betrachtungsabstandsregel

Bevor du dich zu sehr um extreme Schärfe sorgst, lass uns über den Betrachtungsabstand sprechen. Wir alle sind schuldig, am Computer „Pixel zu zählen“ und 100% hineinzuzoomen, um zu sehen, ob eine Wimper perfekt scharf ist. Aber so schauen Menschen nicht auf gedruckte Kunst.

Je größer ein Abzug ist, desto weiter entfernt steht man natürlich, um ihn anzusehen. Wenn du einen 24x36-Zoll-Abzug über dein Sofa hängst, wird niemand mit der Nase an die Scheibe drücken, um die Körnung zu sehen. Aus sechs Fuß Entfernung kann ein stark vergrößerter 35mm-Abzug immer noch unglaublich eindrucksvoll und überraschend scharf wirken.

Das Mittelformat zieht erst wirklich davon, wenn du einen Abzug möchtest, der die Leute nah heranlockt. Wenn das Motiv Intimität verlangt, sodass der Betrachter herankommt, um winzige Details einer Textur oder Landschaft zu studieren, ist Mittelformat unschlagbar.

Welches Format passt zu deinem Workflow?

Also, brauchst du wirklich eine Mittelformatkamera, um schöne Abzüge zu machen?

Nein, wirklich nicht. 35mm ist nachsichtig, portabel und pro Aufnahme günstiger. Ein gut belichtetes, sorgfältig fokussiertes 35mm-Negativ, aufgenommen mit einem guten Festbrennweitenobjektiv, macht einen wunderschönen 11x14-Abzug, den jeder stolz zu Hause aufhängen würde. Wenn du einfach nur schöne Erinnerungen mit einem Hauch Vintage-Flair an deinen Wänden möchtest, bleib bei 35mm.

Aber wenn das Drucken in groß dein ultimatives Ziel ist, wenn du davon träumst, Galerie-große Landschaften oder unglaublich detaillierte Porträts zu hängen, bei denen jede Wimper perfekt abgebildet ist, ist Mittelformat das richtige Werkzeug. Es zwingt dich, langsamer zu arbeiten, öfter ein Stativ zu benutzen und sehr bewusst zu belichten. Die Kameras sind schwerer, und nur 10 bis 15 Aufnahmen pro Rolle zu haben, kann sich anfangs einschränkend anfühlen. Aber in dem Moment, in dem du den ersten riesigen Poster-Abzug ausrollst, wirst du genau verstehen, warum der Aufwand sich gelohnt hat.

Bist du bereit, größere Abzüge zu machen?

Wenn du das schnelle, spontane Gefühl des Alltags-Shootings liebst und einfach nur schöne, normal große Abzüge machen möchtest, gibt es nichts Besseres als einen soliden mechanischen Klassiker. Du kannst einige fantastische SLR-Kameras entdecken, die perfekt in jede Tasche passen. Aber wenn dich der große Abzug-Fieber gepackt hat und du die unglaubliche Auflösung eines viel größeren Negativs erleben möchtest, ist es vielleicht Zeit für den nächsten Schritt. Schau dir unsere Auswahl an Mittelformat-Ausrüstung an, um eine Kamera zu finden, die deine Wandkunst auf ein ganz neues Level hebt. Denk nur daran, einen stabilen Kameragurt mitzunehmen, denn diese größeren Kameras bringen definitiv etwas Gewicht mit!

This article is translated from English. If there are any mistakes in the translation, please view the English original here .
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