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Wie Sie Ihr Digitalvideo farblich an Ihren Lieblingsfilm anpassen

von Jens Bols 0 Kommentare
How to Grade Your Digital Video to Match Your Favorite Film Stock - OldCamsByJens

Seien wir mal ganz ehrlich: Das Filmen mit echtem Kinofilm ist unglaublich teuer. So sehr ich auch gerne eine 16mm-Kamera laden und meinen Alltag filmen würde, mein Bankkonto erlaubt es einfach nicht. Also filme ich, wie die meisten von uns, digital mit einer modernen spiegellosen Kamera. Aber egal wie beeindruckend 4K 10-Bit-Material auch ist, es sieht meistens ein bisschen zu perfekt aus. Es ist klinisch, scharf genug, um die Augen zu schneiden, und es fehlt die organische Seele, die uns überhaupt erst in die Fotografie verlieben lässt.

Die Lösung ist nicht einfach, einen schweren „Vintage“-LUT oder ein Preset auf die Timeline zu legen und es dabei zu belassen. Wenn man einen billigen Filter auf ultra-scharfes 60-Bilder-pro-Sekunde-Material legt, sieht es nie aus wie ein Film aus den Siebzigern – es sieht einfach aus wie ein iPhone-Video mit einem schlechten Instagram-Filter. Digitales Video wirklich so aussehen zu lassen wie dein Lieblingsfilm, sei es Kodak Portra 400, Cinestill 800T oder sogar klassisches Tri-X Schwarzweiß, ist ein Prozess. Es erfordert etwas Aufwand in der Kamera und einen bestimmten Ansatz beim Schnitt.

Entferne zuerst die digitale Schärfe

Bevor du überhaupt DaVinci Resolve oder Premiere öffnest, musst du an dein Objektiv denken. Moderne Objektive sind darauf ausgelegt, makellos zu sein. Sie haben intensiven Mikro-Kontrast, keine Verzerrung und keine chromatische Aberration. Film hingegen ist unvollkommen.

Der einfachste Weg, dein Video halbwegs analog wirken zu lassen, ist, die modernen Autofokus-Objektive wegzulassen und Vintage-Objektive mit manuellem Fokus an deine Kamera anzupassen. Ein altes 50mm-Objektiv aus den Siebzigern hat einen ganz anderen Charakter. Die Beschichtungen erzeugen wunderschöne Flares, wenn die Sonne darauf scheint, die Bildränder sind vielleicht ein kleines bisschen weich, und der Kontrast ist natürlich niedriger. Es nimmt deinem Material sofort die „digitale Schärfe“. Du backst effektiv ein bisschen Charakter ins Bild, bevor es überhaupt den Sensor erreicht.

Wenn du ein modernes Objektiv verwenden musst, nutze einen Diffusionsfilter vorne drauf. Etwas wie ein 1/4-starker Black Pro-Mist oder ein CineBloom-Filter verteilt die Lichter leicht und mildert die extrem hochfrequenten Details. Das ahmt nach, was passiert, wenn Licht auf eine Zelluloid-Schicht trifft.

Filme für den Look (Einstellungen sind wichtig)

Film hat Regeln, und wenn du sie brichst, fällt die Illusion sofort auseinander. Das größte Anzeichen für „Fake-Film“ ist die Bewegung.

Echte Filmkameras filmen mit 24 Bildern pro Sekunde. Der Verschluss ist im Grunde ein rotierender Halbkreis, was bedeutet, dass die Verschlusszeit normalerweise doppelt so schnell ist wie die Bildrate (das nennt man die 180-Grad-Verschlussregel). Wenn dein modernes Video wie Film aussehen soll, stelle sicher, dass deine Kamera auf 24p eingestellt ist und die Verschlusszeit explizit auf 1/48 oder 1/50 Sekunde fixiert ist. Das gibt dir genau die Bewegungsunschärfe, die unser Gehirn mit Kino verbindet.

Außerdem solltest du im flachsten Profil filmen, das deine Kamera bietet. Wenn du ein Log-Profil hast, nutze es. Film erfasst einen enormen Dynamikumfang, und du brauchst alle Daten, die du kriegen kannst, um den sanften Highlight-Abfall später in der Schnittsoftware nachzuahmen.

Die Film-Kontrastkurve aufbauen

Wenn du mit dem Schnitt beginnst, fang mit dem Kontrast an. Digitale Sensoren verhalten sich linear, das heißt der Übergang von dunkel zu hell ist eine gerade Linie. Film verhält sich ganz anders. Er hat, was wir eine „S-Kurve“ nennen.

Erstelle in deiner Farbkorrektursoftware eine sanfte S-Form auf deiner Luma-Kurve. Aber hier ist der Trick: Film behält eine wahnsinnige Menge an Details in den hellen Bereichen (Highlights), verliert aber Details in den Schatten. Um das nachzuahmen, sollen deine Highlights oben sanft abfallen. Lass deine hellen Himmel niemals in reines, grelles Weiß ausreißen. Flache die Spitze deiner Kurve ab, sodass die hellsten Bildteile leicht weich bleiben.

Bei den Schatten machst du das Gegenteil. Ziehe die dunklen Bereiche runter, damit sie satt und schwer wirken, hebe aber den untersten Punkt der Kurve leicht an. Das gibt dir diesen leicht ausgewaschenen, „gepresst aber angehobenen“ Schatten-Look, den du bei alten Scans von Mittelformat-Film siehst.

Die Farben bestimmter Filme treffen

Hier wird es richtig spannend. Jeder Filmtyp hat eine eigene Farbnuance. Du kannst deine Farbkreise und HSL-Regler (Farbton, Sättigung, Luminanz) nutzen, um genau den Film nachzuahmen, den du visuell am meisten liebst.

  • Kodak Portra nachahmen: Portra ist berühmt für seine Wärme und unglaublichen Hauttöne. Um Portra zu imitieren, verschiebe deine Mitteltöne leicht in den warmen Bereich (orange/gelb) und ziehe deine Grüntöne in ein wärmeres, gelbliches Grün. Portra-Grün ist nicht neon, sondern organisch und fast olivfarben. Halte die Sättigung bei Rot und Gelb satt, aber reduziere die Sättigung bei Blau.
  • Fujifilm Superia nachahmen: Fuji-Filme tendieren bekanntlich zu einem kühleren, magentafarbenen Look. Wenn du einen Fuji-Vibe willst, gib ein bisschen Grün/Cyan in die Schatten und füge sanft Magenta in die Highlights ein. Mach deine Grüntöne kräftig und tief, und lass die Rottöne eher rubin- oder kirschfarben wirken.
  • Cinestill 800T nachahmen: Kühlt zuerst das gesamte Bild ab, da es sich um einen tungsten-ausgeglichenen Film für Nachtszenen handelt. Die Schatten sollten einen deutlichen Teal-Stich haben, während die Highlights warm bleiben. Und dann gibt es da noch die Halation...

Die Magie von Halation und Bloom

Wenn du einen cineastischen Filmlook oder etwas ohne Anti-Halation-Schicht (wie Cinestill) anstrebst, brauchst du rote Halation. Halation ist der Effekt, bei dem helles Licht – besonders Neon-Schilder oder Straßenlaternen – an den Rändern rot leuchtet.

Warum passiert das? In einer echten Filmkamera dringt starkes Licht durch die Emulsionsschichten, prallt von der Metall-Druckplatte hinten in der Kamera ab und trifft von hinten auf die rot-empfindliche Filmschicht. Du kannst das in DaVinci Resolve mit dem eingebauten Halation-Effekt nachahmen oder indem du dein Filmmaterial duplizierst, die extremen Highlights weichzeichnest, einen roten Farbton hinzufügst und den Mischmodus auf „Screen“ setzt. Das lässt praktische Lichter richtig knallen und verleiht Nachtszenen enorme Textur.

Nur echtes Korn, bitte

Zum Schluss müssen wir über Korn sprechen. Bitte benutze nicht das generische digitale Rauschen, das in deiner Schnittsoftware eingebaut ist. Digitales Rauschen sieht aus wie tanzende quadratische Pixel; es ist völlig gleichmäßig und zerstört die Bildqualität.

Filmkorn ist ganz anders. Es sind physische Silberhalogenid-Kristalle, die zusammenklumpen. Die Größe variiert je nach Helligkeit – Schatten wirken gröber, Highlights glatter. Um das richtig hinzubekommen, lade echte 16mm- oder 35mm-Kornscans herunter. Es gibt dutzende kostenlose Pakete online, in denen Leute echte Graukarten auf Zelluloid gefilmt haben. Lege die echte Korn-Video-Datei über dein Material, setze den Mischmodus auf „Overlay“ oder „Weiches Licht“ und passe die Deckkraft an. Weil es ein Scan von echtem, lebendigem Film ist, fühlt sich dein digitales Video sofort lebendig an.

Hardware macht viel aus

Ein überzeugender Filmlook hängt stark von der Grundlage ab, die du beim Filmen legst. Wenn du die digitale Schärfe nativ reduzieren willst, verzichte auf moderne sterile Objektive und greif zu etwas Klassischem. Alte Objektive aus den Siebzigern und Achtzigern an deiner spiegellosen Kamera sorgen für natürliche Halation, schöne Flares und weicheren Kontrast, ohne dass du eine Stunde im Schnitt verbringen musst. Wenn du dein Equipment aufrüsten möchtest, kannst du klassische manuelle Objektive durchstöbern, um schönes Vintage-Glas zu finden, das zu deinem Adapter passt, oder dir einige vintage physische Filter anschauen, die die Highlights direkt vor dem Sensor zum Leuchten bringen. Den Look praktisch aufzubauen macht die halbe Freude aus.

Das Graden von digitalem Video, damit es sich wie Film anfühlt, erfordert Übung, Versuch und Irrtum. Aber wenn du anfängst, deine digitalen Clips wie einen Zelluloidstreifen zu behandeln – die Highlights schützt, den Mikro-Kontrast weichst und die Farben natürlich sitzen lässt – bekommst du am Ende Material, das sich wirklich wie eine Erinnerung anfühlt.

This article is translated from English. If there are any mistakes in the translation, please view the English original here .
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